Als Cutter von "Toy Story" war Lee Unkrich von Anfang an mit dabei. Beim dritten Teil der Saga hat er nun zum ersten Mal den Posten des alleinverantwortlichen Regisseurs übernommen. plan7 traf den Pixar-Visionär zum Gespräch in Berlin.
plan7: Seit "Toy Story 2" sind elf Jahre vergangen. Warum hat das so lange gedauert?
Lee Unkrich: Wir wollten "Toy Story 3" eigentlich direkt nach "Toy Story 2" machen und hatten auch schon eine Idee. Aber es gab da all diese vertraglichen Probleme mit Disney. Vor vier Jahren, als Disney uns gekauft hat, waren die vom Tisch. Aber nach all der Zeit hielten wir die ursprüngliche Idee nicht mehr für gut genug. Die Jahre haben uns eine neue Perspektive auf die Charaktere eröffnet, und so sind wir auf das Szenario gekommen, in dem Andy erwachsen ist und inzwischen aufs College geht. Das ist für mich die beste Geschichte, die man mit den Figuren erzählen kann, aber damals wären wir sicherlich nicht drauf gekommen.
plan7: Steht "Toy Story 3" als Symbol für eine neue Pixar-Ära? Immerhin ist dies der erste Film, der komplett unter der Ägide von Neueigentümer Disney entstanden ist.
Unkrich: Ich würde nicht sagen, dass die Beteiligung von Disney eine neue Ära eingeläutet hat. Wir haben Filme immer auf die gleiche Weise gemacht. Außerdem will Disney gar nicht, dass wir etwas ändern, schließlich waren wir mit unserer Art immer erfolgreich.
plan7: Wie sind Sie den 3D-Prozess angegangen?
Unkrich: Wir wussten weniger, was wir wollten, aber dafür sehr genau, was wir nicht wollten. Nämlich, dass etwas aus der Leinwand auf das Publikum zufliegt. Als Zuschauer in einem 3D-Film empfinde ich solche Effekte immer als extrem störend. Und als Geschichtenerzähler ist für mich alles, was den Zuschauer davon abhält, sich komplett in der Story zu verlieren, ein großer Fehler. Deshalb ist es nun so, als ob man durch ein dreidimensionales Fenster in die Welt der Spielzeuge hineinschaut - ganz so, als ob man sich ein Theaterstück ansieht.
plan7: Was sehen Sie, wenn Sie sich heutzutage "Toy Story" anschauen?
Unkrich: Er wirkt ziemlich grob, zumindest nach heutigen Standards. Aber wir haben schon damals Witze darüber gerissen, dass "Toy Story" immer der hässlichste Film sein wird, den wir jemals gemacht haben. Schließlich wussten wir, dass sich die Technik weiterentwickeln würde. Wenn ich heute zurückschaue, bin ich jedes Mal überrascht, dass der Film überhaupt zustande gekommen ist. Denn in vielerlei Hinsicht wussten wir nicht, was wir da eigentlich taten - und wir hatten damals auch noch nicht diese Infrastruktur, die eigentlich nötig ist, um einen animierten Spielfilm zu kreieren.
plan7: Wie fühlt es sich an, zu den "Big Players" in Hollywood zu zählen?
Unkrich: Wir verstehen uns selbst nicht als "Big Player". Dass unser Studio seinen Sitz nicht direkt in Hollywood hat, hilft sehr dabei. Wir sind noch immer dieselben Menschen, die die erste "Toy Story" auf die Beine gestellt haben. Sicherlich haben wir seitdem einige Filme gemacht, die ziemlich erfolgreich waren, aber das ist uns nicht zu Kopf gestiegen. Wir haben noch immer unsere alten Leben, unsere Familien - und wir sind eben auch nicht den ganzen Tag lang von der Filmindustrie umgeben.