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INTERVIEW KARSTEN JAHNKE

Der Mann, der die Stars nach Hamburg holt

Seit 48 Jahren holt er die Stars nach Hamburg, über 15000 Konzerte hat Karsten Jahnke in ganz Deutschland veranstaltet. Heute wird der Impresario 70. Gefeiert wird er im Schauspielhaus mit der Gala "Keep Swinging".



MOPO: Herr Jahnke, die MOPO gratuliert ganz herzlich. Glückwunsch zum 70. Geburtstag! Wie geht es denn so?



Karsten Jahnke: Mir geht's gut. Ich war gerade beim Arzt zum Durchchecken: Alles in Ordnung! Man wundert sich nur, dass man plötzlich 70 ist.



MOPO: Arbeit soll ja jung halten. Wie viele Stunden am Tag sind Sie beschäftigt?



Jahnke: Früher so um die 15. Das habe ich aber reduziert. Dieses Jahr war ich drei Mal im Urlaub, das ist ein guter Ausgleich. Und natürlich meine Familie. Ich bin seit 44 Jahren glücklich verheiratet, habe ein schönes Zuhause.



MOPO: Das klingt nicht nach Sex, Drugs & Rock'n'Roll.



Jahnke: Da kann ich nicht mithalten. Konnte ich nie. Mein Job besteht aus Meetings, Telefonaten, Verhandlungen und einem Quäntchen Unberechenbarkeit.



MOPO: Sie haben Künstler wie Westernhagen, Grönemeyer und Depeche Mode veranstaltet, lange bevor die erfolgreich waren. Woher wussten Sie, dass die Rechnung aufgeht?



Jahnke: Das ist Bauchgefühl. Ich habe Westernhagen in "Theo gegen den Rest der Welt" gesehen, bekam dann seine LP. Ich wusste: Der isses! Oder Heinz-Rudolf Kunze. An den habe ich immer geglaubt. Aber nach fünf Tourneen hatte ich 300000 Miese auf der Uhr. Und auf einmal singt der: "Dein ist mein ganzes Herz." Ein Riesenhit. Und mit der nächsten Tour haben wir alles wieder reingeholt.



MOPO: Gab es Veranstaltungen, die so risikoreich waren, dass alles vom Erfolg abhing?



Jahnke: Das ist ein Problem der Neuzeit. Die großen Konzertkonzerne sind Multimillionäre, sie übernehmen aber nicht das Risiko, das wälzen sie auf örtliche Veranstalter ab. Eine Fehlentscheidung kann das Ende bedeuten.



MOPO: Aber die Umsätze der Branche steigen.



Jahnke: Nur die Gewinne nicht. Das Publikum denkt ja immer, dass die Veranstalter sich mit hohen Eintrittspreisen eine goldene Nase verdienen. Stimmt aber nicht. Man muss eine Menge Geld hinblättern, damit bestimmte Künstler überhaupt auf die Bühne steigen. Ich registriere da zuweilen Gier.



MOPO: Mit 70 kann man an den Ruhestand denken. Haben Sie schon einen Nachfolger?



Jahnke: Mein Enkel kann sich sehr für das Konzertgeschäft begeistern. Aber, das wird meine Frau nicht gern hören: Für mich ist 70 kein Grund, mich zurückzuziehen. Ich bin sehr guter Dinge.



MOPO: Wann haben Sie das letzte Mal für ein Konzert Eintritt gezahlt?



Jahnke: Da muss ich überlegen... Da war was. Ich sage Bescheid, wenn's mir wieder einfällt.

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Datum:  22.11.2007
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