Erst 100 Tage ist Hamburgs Justizsenator Carsten Lüdemann (CDU) im Amt und schon hagelt es Kritik von Seiten der GAL und FDP. Für den GAL-Rechtsexperten Till Steffen herrscht nach dem "blinden Aktionismus" seines Vorgängers Roger Kusch jetzt eine "Vogel-Strauß-Mentalität und Stillstand pur". Hamburgs FDP-Bundestagsabgeordneter Burkhardt Müller-Sönksen meint sogar, "man könnte diesen Senator ersatzlos abschaffen". Mit der MOPO spricht Lüdemann über die Kritik an seiner Amtsführung. MOPO: Herr Senator, sind Sie wirklich abgetaucht, wie GAL und FDP behaupten?
Carsten Lüdemann: Dem widerspreche ich vehement. Ich will doch nicht genau den Fehler machen, den die Opposition von mir erwartet, und politische Tretminen auslegen wie mein Vorgänger. Mein Ziel ist, Ruhe in meine Behörde zu bekommen. So gesehen ist es für mich ein voller Erfolg, wenn die Opposition an meiner Politik nichts zu kritisieren hat.
MOPO: Worin unterscheiden Sie sich hauptsächlich von Ihrem Amtsvorgänger Roger Kusch?
Lüdemann: Gute Justizarbeit ist ruhig und geräuschlos. Ich bin keiner, den es mit eigenen Aktionen ins Rampenlicht der Medien drängt.
MOPO: Auch wenn der Stil sich verändert hat, so bleiben inhaltlich viele offene Fragen, z. B. die Verschärfung des Strafvollzugs.
Lüdemann: Die Verschärfung ist richtig und wichtig. Die Regel in den Gefängnissen muss der geschlossene Vollzug sein. Auch Überbleibsel aus den 70er Jahren, wie der Urlaubsanspruch von 21 Tagen bei Strafgefangenen, sind ein Unding und gehören abgeschafft.
MOPO: Bisher war das Aufgabe des Bundes, wollen Sie nach der Förderalismusreform eigene Regeln aufstellen?
Lüdemann: Ja! Beides soll bis Ende der Legislaturperiode in einem eigenen Strafvollzugsgesetz verankert werden. Wir müssen uns bayrischen Standards im Strafvollzug angleichen.