Er ist einer der beliebtesten Hollywood-Schauspieler - und dabei doch ganz bodenständig geblieben. Schon lange lebt er mit seiner Frau Vanessa Paradis und seinen Kindern in Frankreich. Die MOPO traf den freundlichen Star zum Interview.
plan7: Sie spielen John Dillinger, Amerikas "beliebtesten" Bankräuber. Haben Sie schon mal mit dem Gedanken gespielt, selbst eine Bank zu überfallen?
Johnny Depp: Wer hat das nicht, Mann! Dillinger gefällt mir, weil er damals auf seine Weise eine Art Rockstar war. Der Kerl hatte zehn Jahre im Knast abgesessen, wurde entlassen und plante sofort seinen nächsten Überfall. Und er war bestimmt kein schlechter Mensch. Also, wenn ich die Wahl hätte, welchem dieser beiden ich schutzlos meinen Rücken zuwende, dem damaligen Leiter des FBI, J. Edgar Hoover, oder Dillinger - ich würde mich für den sogenannten Gangster entscheiden. Hoover war ein gefährlicher Mann, er war der eigentliche Kriminelle. Dillinger war einer von uns, der das Beste aus seinem Leben machen wollte und ausgetrickst wurde.
plan7: Welche Dinge in Ihrem Leben bereuen Sie?
Depp: Das Einzige, was ich bereue, sind einige der Filme, die ich gemacht habe. Glauben Sie mir, ich bin nicht auf alles stolz.
plan7: Welche Filme meinen Sie?
Depp: Oh nein, das kann ich jetzt unmöglich erzählen. Das wäre unfair. Außerdem bin ich kein Kritiker.
plan7: Wie haben Sie eigentlich all die Jahre bis "Fluch der Karibik" der Verlockung des großen Geldes widerstanden?
Depp: Ich bin wohl ein bisschen zu dumm und geschäftsuntüchtig.
plan7: Immerhin konnten Sie sich jetzt eine eigene Insel leisten.
Depp: Nach "Fluch der Karibik 3" wurde mir tatsächlich alles etwas zu viel. Die Aufmerksamkeit war größer als je zuvor. Da hatte ich das Glück, diese wunderbare kleine Insel auf den Bahamas zu entdecken.
plan7: Kann man gleichzeitig Inselbesitzer und Rebell sein?
Depp: Ich gebe zu, es klingt unglaublich extravagant. Aber mein Leben dort ist so fern von jeglicher Dekadenz.
plan7: Sie sind jetzt auf dem Gipfel Ihres Erfolges angekommen. Wie sieht die Welt von da oben betrachtet für Sie aus?
Depp: Ich finde es manchmal unheimlich, wenn ich feststelle, wie schnell die Zeit vergeht. Ob ich jetzt gerade auf dem Gipfel bin, vermag ich nur schwer zu sagen. Ich mache so lange weiter, bis mir irgendjemand sagt: Johnny, es reicht. Verschwinde.
plan7: Wünschen Sie sich manchmal, unerkannt in einer Kneipe ein Bier zu trinken?
Depp: Dass das nicht mehr geht, ist schon ein bisschen nervtötend, klar. Aber es gibt Schlimmeres. Ich habe Glück, dass sich überhaupt jemand für mich interessiert.