Seit September ist Joachim Lux Intendant am Thalia-Theater. Mit neuem Ensemble und Regieteam feuert das Haus am Alstertor seitdem aus allen Rohren. Dabei ist nicht alles auf den breiten Publikumsgeschmack ausgerichtet. Kann man das durchhalten? Zum Auftakt der am Sonntag beginnenden "Lessingtage" sprach die MOPO mit dem 52-Jährigen über das Festival, seine ersten Monate in Hamburg und die Finanzsorgen in seinem Theater und der Stadt.
MOPO: Haben Sie keine Angst, mit dem Begriff "Lessingtage" das Publikum abzuschrecken?
Joachim Lux: Nun, das Festival trägt ja auch den Untertitel "Um alles in der Welt". Lessing ist der Ausgangspunkt, aber nicht der einzige Gegenstand.
MOPO: Wie ist das zu verstehen?
Lux: Ausgehend von seiner Utopie in "Nathan der Weise", dass die drei Weltreligionen harmonisieren können, machen wir ein Themenfestival zu Fragen des kulturellen Miteinanders. Wie können in der globalisierten Welt die Kontinente und in einem kleinen Biotop wie dieser Stadt die Kulturen gemeinsam miteinander umgehen?
MOPO: Überfordern Sie mit einem solchen Festival nicht vielleicht das eigene Haus - so kurz nach dem Neustart?
Lux: Richtig ist, dass das Haus sehr stark gefordert ist, aber das Thalia ist von einer Leistungsbereitschaft, die ich sensationell finde. In der ersten vier Monaten hatten wir 20 Premieren - das ist ein komplettes Spielzeitprogramm.
MOPO: Lief dabei alles nach Ihren Vorstellungen?
Lux: Ich würde sagen, wir sind auf einem guten Weg. Ich finde es richtig, dass wir mit so anspruchsvollen Stücken gestartet sind. Das ist eigenwillig und auch riskant. Mit "Romeo und Julia" und dem neuesten Botho-Strauß-Stück als vermeintliches Risiko hätten wir es uns leichter gemacht.
MOPO: Kann sich ein so großes Theater dieses Risiko leisten?
Lux: Bis zu einem bestimmten Punkt. Weiter in diese Richtung wird es nicht gehen können. Das hat mit den finanziellen Rahmenbedingungen zu tun. Dennoch: Ein großer Dank an die Kultursenatorin, die in den Haushaltsverhandlungen viel mehr herausgeholt hat, als wir erwarten konnten. Aber wir sind im Theaterbereich an eine Grenze gestoßen. Die Salamitaktik der Kürzungen geht so nicht weiter.
MOPO: Sie sind auch in der Diskussion um das Gängeviertel sehr aktiv ...
Lux: Es ist sehr wichtig, dass die Menschen ihre Städte wieder in Besitz nehmen. Es gehört zur Kultur einer Stadt, dass sie sich selbst mit Leben erfüllt. Da finde ich die Initiative, ein so schönes Häuserensemble zu retten - und dann auch noch für Künstler - wunderbar.
MOPO: Bei der "Nathan"-Vorstellung (4.2.) kann jeder seinen Eintrittspreis selbst bestimmen - was würden Sie zahlen?
Lux: 50 Euro - dafür möchte ich aber auch anständig sitzen. Es geht darum, das Publikum für Fragen der Kulturfinanzierung zu sensibilisieren: Was würde die Vorstellung ohne Subventionen kosten? Das diskutieren wir mit den Zuschauern im Rahmen dieses "Publikumsgipfels". Der läuft übrigens gut an: Manche zahlen nur wenig, andere 160 Euro.