Jim Sturgess gehört zu den Shootingstars des vergangenen Jahres. Mit "Across the Universe" machte der Brite auf sich aufmerksam, glänzte dann in "Die Schwester der Königin" und kommt jetzt in "21" in seiner ersten großen Hauptrolle in die Kinos. Mit der MOPO sprach der 27-Jährige sein Leben als Schauspieler.
Plan7: In "21" wird mächtig gezockt. Sind Sie selbst ein Spieler?
Sturgess: Sicher keiner wie die in Las Vegas. Ich komme ja auch aus einem völlig anderen Kulturkreis. In London haben wir hin und wieder auf Windhunde und Pferde gesetzt, aber in einem Kasino war ich vorher noch nie. Vegas war ein Kulturschock für mich. Die haben den Betrieb während der Dreharbeiten einfach weiterlaufen lassen - das war schon ein wenig befremdlich.
Plan7: Mit dieser Rolle haben Sie wohl endgültig Ihr Ticket für Hollywood gelöst?
Sturgess: Ich bin mir da gar nicht so sicher. "Across the Universe" war ja auch eine Hollywoodproduktion, auch wenn ich es nie so empfunden habe. Für mich war das ein kleiner Film. Den Erfolg habe ich erst mitbekommen, als ich in die USA kam und mich laufend Leute darauf ansprachen. Da merkte ich erst, wie dieser Film dort eingeschlagen hatte.
Plan7: Und dann kam "Die Schwester der Königin" ...
Sturgess: Richtig. Aber auch wenn da bekannte Namen wie Natalie Portman und Scarlett Johansson mitgespielt haben: Es war ja ein rein englisches Königsdrama. So habe ich es auch empfunden, nicht als Drama aus der Traumfabrik. Erst "21" hat mir das Gefühl von Hollywood vermittelt. Eben eine große Studioproduktion, mit allem Drum und Dran.
Plan7: Ist Hollywood für junge Schauspieler nicht verführerisch?
Sturgess: Natürlich! Allerdings kommt es darauf an, was man für Ziele hat. Will man berühmt werden, dann ist die Gefahr sehr groß, dass man sich blenden lässt. Will man, wie ich, nur ein Schauspieler sein und Spaß an seiner Arbeit haben, dann hält sich das schon in Grenzen. Ganz einfach, weil man andere Präferenzen setzt.
Plan7: Für viele hat Geld oberste Priorität. Und die Gagen in Hollywood sind ja um einiges höher.
Sturgess: Sicher, aber ich finde, das Geld darf nicht im Vordergrund stehen. Ich würde nie in einem Blockbuster die Hauptrolle übernehmen, wenn mir die Story nicht gefällt. Egal, wie weit ich damit die Leiter nach oben steigen könnte. Ich weiß, das sagen viele am Anfang ihrer Karriere, und hinterher kommt es dann doch anders. Aber ich habe mir fest vorgenommen, dieses Spiel nicht mitzumachen.
Plan7: Wie kamen Sie als Musiker eigentlich zur Schauspielerei?
Sturgess: Gut, ich habe in einer Band gespielt, kann ganz gut singen, aber ein richtiger Musiker ist schon etwas anderes. Ich hatte eigentlich nie so wirklich eine Vorstellung, was ich mal machen würde. Irgendwann habe ich in einem Theaterstück mitgespielt. Meine Eltern waren richtig froh und meinten: "Endlich interessiert er sich mal für etwas!" Dann kam, wie gesagt die Band.
plan7: ... die Sie aber schnell wieder verlassen haben.
Sturgess: Ja, weil ich aufs College gegangen bin. Dann hörte ich von einem Studiengang in Manchester. Da ging es um Drehbuchschreiben, Filmschnitt, Produktion und auch ein wenig um Schauspielerei. Das habe ich zwei Jahre lang gemacht, sehr zur Freude meiner Eltern, die froh waren, dass ich etwas lernte. Eines Tages sah mich jemand, der mich einem Agenten empfahl. So fing alles an. Und mein Leben wurde immer verrückter.
Plan7: Verrückter?
Sturgess: Ja. Plötzlich kamen "echte" Angebote und auch diese Idee mit dem "Spiderman-Musical". Ich fand mich in einem Workshop mit Bono wieder, saß für ein paar Wochen mit U2 in einem Raum und entwickelte Songs für das Musical. Wann das verwirklicht wird, weiß ich nicht. Aber es hat Spaß gemacht!