Er ist die größte Attraktion beim „Tag der Legenden“ am Sonntag: Ex-Nationalkeeper Jens Lehmann, der seine Karriere Ende der vergangenen Saison beim VfB Stuttgart beendete, steht beim „Team Deutschland“ zwischen den Pfosten, soll eine weitere Niederlage gegen die Hamburger Elitekicker vermeiden helfen. Die MOPO sprach mit dem 40-jährigen Torwart-Giganten.
Mopo: Während Oliver Kahn zauderte, haben Sie Initiator Reinhold Beckmann spontan zugesagt. Hamburg freut sich auf Sie!
Lehmann: Ich spiele gern Fußball. Außerdem geht's um einen guten Zweck, das ist eine schöne Kombination. Ich hatte zuvor viel von dieser Veranstaltung gehört.
Mopo: Wann haben Sie zuletzt am Millerntor gespielt?
Lehmann: Vor zwei Jahren beim Freundschaftsspiel mit dem VfB. Da war die Atmosphäre schon gut. Besser war sie, als ich damals mit Schalke in der Meisterschaft am Millerntor spielte. Ich habe da, soweit ich mich erinnern kann, nie verloren, aber die Hamburger Fans hatten trotzdem gute Laune. Ich wollte deshalb damals immer mal für St. Pauli spielen.
Mopo: St. Pauli gilt als großer Farbtupfer für Liga.
Lehmann: Von außen betrachtet kann man das so sehen. Aber intern bei Spielern, Trainern und Funktionären sollte der Ehrgeiz im Vordergrund stehen, Erfolg zu haben. Es wäre ein Fehler, nur oberflächlich von einer Bereicherung zu reden.
Mopo: Sie haben topfit aufgehört. Warum wollten Sie nicht weiter spielen, einen neuen Altersrekord aufstellen?
Lehmann: Die viele Fahrerei zwischen Stuttgart und meinem Wohnort Starnberg hat mich genervt. Außerdem sollen meine Kinder, die in Starnberg zur Schule gehen, Wurzeln schlagen, so dass wir nicht wieder umziehen konnten
Mopo: Was machen Sie im Leben nach dem Fußball?
Lehmann: Im Moment gar nichts.
Mopo: Wie wär's mit einem Job als TV-Kommentator?
Lehmann: Das geht in eineinhalb Wochen bei Sky los.
Mopo: Wird es Sie irgendwann als Trainer geben?
Lehmann: Das weiß ich noch nicht. Momentan genieße ich es noch mein eigener Herr zu sein, in Ruhe überlegen zu können. Aber so ganz lange ist dieser Zustand sicher nicht auszuhalten.
Mopo: Sind Sie restlos zufrieden mit Ihrer Karriere?
Lehmann: Es gibt keinen Spieler, der restlos zufrieden ist. Ich habe schöne Dinge erlebt, einige Titel geholt, aber es fehlt auch etwas, weil es Niederlagen gegeben hat.
Mopo: Welche tun besonders weh?
Lehmann: Am schlimmsten waren die Niederlagen im EM-Finale gegen Spanien, im WM-Halbfinale gegen Italien und im Champions-League-Finale mit Arsenal London gegen Barcelona.
Mopo: Und ganz persönliche Tiefpunkte?
Lehmann: Ich hatte eine schwere Verletzung, als ich für Schalke spielte. Und da bin ich von meinem Trainer (Jörg Berger, die Red.) zur Halbzeit ausgewechselt worden. Daraus habe ich meine Lehren gezogen.
Mopo: Sie galten zumindest zwischendurch als schwierig, haben sich mit Mitspielern, Gegenspielern und manchmal auch Fans angelegt. Gibt es etwas, das Sie bereuen?
Lehmann: Ich kann nicht sagen, dass ich etwas bedaure. Zuerst einmal: Mir war wichtig, dass ich in all den Jahren niemanden verletzt habe. Es hat in der Hitze des Augenblicks auch Dummheiten gegeben. Aber man kann nicht erwarten, dass es die nicht gibt, wenn man mit Hingabe und Leidenschaft Fußball spielt.
Mopo: Die Bundesliga startete furios. Die Kleinen schlagen die Großen, Leverkusen und Wolfsburg bekamen die Bude voll. Fehlt sie Ihnen?
Lehmann: Jetzt, wo ich die Spiele sehe, muss ich sagen, dass mir das Fußballspielen fehlt.
Mopo: Schalke ist hoch verschuldet, hat dennoch extrem auf dem Transfermarkt zugeschlagen. Verstehen Sie das?
Lehmann: Schalke hatte häufig Schulden. Als ich da war, waren's mal 20 Millionen Mark – als Letzter der 2. Liga. Aber der Klub hat mit seinen Fans ein großes Faustpfand. Mit sportlichem Erfolg kann man die Schulden irgendwann abbauen.
Mopo: Zurück zum Tag der Legenden. Wie fit sind Sie?
Lehmann: Ich bewege mich viel, trainiere fast mehr als vorher, spiele Tennis und Fußball. Ich habe ein wenig Angst, dass mein Herz sonst in Mitleidenschaft gezogen würde und ich umkippe, wenn ich nichts tue.
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