Nach der Oscarnominierung für "Juno" ist Jason Reitman auch mit seiner Tragikomödie "Up In The Air" wieder an vorderster Award-Front mit dabei. In den Kategorien "Bester Film" und "Beste Regie" hat er Außenseiterchancen. Und wenn es um das "Beste Drehbuch" geht, gilt der Sohn von "Ghostbusters"-Regisseur Ivan Reitman sogar als Top-Favorit. Die MOPO traf den lässigen Vielflieger zum Interview in Berlin.
plan7: Wie war Ihr Flug?
Jason Reitman: Toll. Ich liebe das Fliegen.
plan7: Ihr Protagonist Ryan Bingham ist ganz erpicht darauf, 1000000 Bonusmeilen zusammenzubekommen. Sammeln Sie auch?
Reitman: Ja, für mich ist das fast so etwas wie eine "Religion". Ich prüfe online regelmäßig nach, ob auch alle Meilen richtig erfasst wurden. Einmal musste ich am Ende des Jahres feststellen, dass ich nicht genug Meilen beisammenhatte, um einen bestimmten Status zu erreichen. Ich habe mich dann ins Flugzeug nach Chicago gesetzt, dort eine Pizza gegessen und bin direkt wieder zurück nach Los Angeles geflogen. Eine wahre Geschichte.
plan7: Wie viele Bonusmeilen haben Sie aktuell?
Reitman: Das ist eine zu persönliche Frage. Ich frage Sie ja auch nicht, wie viel Geld Sie auf Ihrem Girokonto haben. Außerdem gibt es viele verschiedene Möglichkeiten, Meilen zu sammeln. Es wäre zu kompliziert, das jetzt aufzudröseln. Aber ich verrate Ihnen so viel: Ich fliege auf jeden Fall über 100000 Meilen im Jahr.
plan7: Es ist Ryan Binghams Job, Leute zu feuern. Wie genau sahen da die Recherchen aus?
Reitman: Wir haben eine Anzeige in der Zeitung geschaltet, in der wir Menschen gesucht haben, die kürzlich entlassen wurden. Mit diesen haben wir dann ihre tatsächlichen Entlassungsgespräche vor der Kamera nachgespielt. Im Film sieht man, mit Ausnahme weniger Schauspieler wie Zach Galifianakis oder J.K. Simmons, also nur Menschen, die wirklich ihren Job verloren haben.
plan7: Hat es den Jobverlust für die Betroffenen erträglicher gemacht, das Entlassenwerden noch einmal zu erleben?
Reitman: Einige haben gesagt, dass es für sie eine kathartische Erfahrung gewesen sei, es noch einmal durchzugehen und darüber zu sprechen. Viele hatten nämlich noch mit niemandem offen darüber gesprochen. Es ging sehr emotional zu - Leute haben geweint oder sind wütend geworden. Besonders beeindruckt hat mich die Geschichte einer Frau, die jahrelang für ihren Abschluss in BWL geschuftet hat, diesen aber in ihrer Bewerbung nicht mehr erwähnt, weil er es für sie schwerer macht, einen Job zu finden.
plan7: Wenn Sie gefeuert würden - dann lieber von einem Profi wie Bingham oder lieber von Ihrem echten Chef?
Reitman: Das ist eine gute Frage. Ich bin mir nicht wirklich sicher. Aber wahrscheinlich wäre es mir lieber, von einem Profi gefeuert zu werden. Denn dein Chef mag dich schon seit 15 oder 20 Jahren kennen, aber wenn er dich rausschmeißt, dann behandelt er dich plötzlich wie einen Fremden. Da werde ich lieber von jemandem wie ein guter Freund behandelt, den ich noch nie in meinem Leben gesehen habe.