Seine Karriere begann mit 14, da spielte er die Hauptrolle des tanzverrückten Billy Elliot. Zu den weiteren Filmen von Jamie Bell gehören so unterschiedliche Titel wie "Dear Wendy", "King Kong" oder "Flags of our Fathers". Jetzt kommt der Brite als schrulliger Voyeur "Hallam Foe" in die Kinos. Die MOPO sprach mit dem 20-Jährigen.
plan7: Wenn ich mir vorstelle, wie man sich auf die Rolle eines Voyeurs vorbereitet ...
Bell: ... haben Sie recht! Ich habe tatsächlich anderen Leuten nachspioniert. Ich habe sie mit Ferngläsern beobachtet und genau aufgeschrieben, was sie tun.
plan7: Dabei muss sich Hallam ja ziemlich weit nach vorne wagen.
Bell: Absolut. Zugleich ist er aber sehr verschlossen. Hallam ist eine seltsame, exzentrische Figur. Und gleichzeitig ist er ein netter Typ.
plan7: Worum geht es in der Geschichte?
Bell: Die stärkste Botschaft ist, dass alles gut wird. Der Film sagt, dass es vorübergeht, dass man seine bösen Geister hinter sich lassen und etwas mit seinem Leben anfangen kann. Wie jeder Mensch hatte auch ich solche Phasen. Ich kenne diese Gefühle.
plan7: Hatten Sie eigentlich keine Probleme mit den Nacktszenen - immerhin sind Sie Brite?!
Bell: Ich würde auf solche Szenen gerne verzichten. Aber wenn es aus kreativen Gründen notwendig und für die Story sinnvoll ist, dann mache ich das. Irgendwann wäre es ja ohnehin passiert: Früher oder später hätte ich ein Drehbuch bekommen, in dem ich mich ausziehen muss. Ich habe mit 14 Jahren meine Karriere begonnen, jetzt bin ich 20 - ich habe es also lange genug vermieden.
plan7: Was für Drehbücher bekommen Sie denn?
Bell: Nach "King Kong" ist der Stapel auf ziemlich gewachsen. Von großen Studioproduktionen bis zum intimen Kunstkino ist alles dabei.
plan7: Und wo liegen die Unterschiede? Zum Beispiel zwischen "King Kong" und "Hallam Foe"?
Bell: Abgesehen von der Gage? (lacht) Bei kleinen Produktionen steht man dem Regisseur viel näher. Man hat mehr Freiheit, seine Rolle zu gestalten und kann Vorschläge machen. Die Figuren in solchen Filmen sind ohnehin viel interessanter als in Großprojekten. Studio-Filme sind auch harte Arbeit und machen Spaß - aber die Herausforderung als Schauspieler ist bei kleinen Sachen einfach größer.
plan7: Warum sind Sie Schauspieler geworden?
Bell: Ich wollte das eigentlich gar nicht. Ich wollte immer Tänzer sein. Doch dann kam "Billy Elliot" und dem folgten weitere Angebote - insofern bin ich da sozusagen reingerutscht. Aber inzwischen bin ich völlig glücklich mit dieser Entscheidung.
plan7: Sie waren bei "Billy Elliot" noch sehr jung. Gab es bei Ihnen einen "Macaulay-Culkin-Effekt"? So á la "Jamie allein zu Haus"?
Bell: Ich bin zum Glück immer gut betreut und noch besser abgeschirmt worden. In die - zugegeben - verlockende Falle des frühen Erfolgs bin ich nicht geraten. Kinderstar-Schicksale können sehr tragisch und skandalträchtig sein, ein Blick in die Boulevardzeitungen genügt.
plan7: Sie selbst haben auch für Schlagzeilen gesorgt - als Ihr Regisseur Stephen Elliot Sie bei einer Preisverleihung küsste, Sie bei ihm eingezogen sind und plötzlich als schwul galten ...
Bell: So ist eben unsere britische Presse: bösartig. Ich fand diese Geschichte sehr skrupellos. Deswegen lese ich mittlerweile nichts mehr, was über mich oder Freunde von mir geschrieben wird.
plan7: Was meinen Sie: Wie sieht Ihre Zukunft aus?
Bell: Ich fände es grandios, wenn man Kunst und Kommerz unter einen Hut bekommen könnte. Bislang ist mir das einigermaßen gelungen. Ich hoffe, es geht in dieser Richtung weiter. Denn nur so bleibt man auf dem Teppich.