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INTERVIEW

Isabelle Huppert

Sie ist nur 1,60 Meter klein - doch längst gilt Isabelle Huppert als Grande Dame des französischen Kinos. Nach Filmen wie "Eine Frauensache" oder "Biester" ist "Geheime Staatsaffären" ihre achte Zusammenarbeit mit Starregisseur Claude Chabrol. Darin spielt die 53-Jährige mit dem trotzigen Zug um die Mundwinkel mal wieder ihre Paraderolle: eine Frau, die sogar einen Backofen zum Vereisen bringen könnte. Unnahbar und undurchschaubar wirkt sie nicht nur auf der Leinwand - zum MOPO-Interview in einem Berliner Hotelzimmer legte sie ihre Sonnenbrille nicht ab.



plan7: "Macht ist sexy", hat Henry Kissinger zugegeben. Sie verkörpern in "Geheime Staatsaffären" eine Staatsanwältin im Machtrausch. Haben Sie als gefragteste Schauspielerin Frankreichs ebenfalls Macht?



Huppert: Die einzige Macht, die ich besitze, ist meine Freiheit, mir die richtigen Rollen auszusuchen. Alles andere ist pure Illusion.



plan7: Und wie wählen Sie Ihre Projekte aus? Suchen Sie immer nach neuen Herausforderungen?



Huppert: Nein. Es ist für mich nie eine Herausforderung, mit einem guten Regisseur einen guten Film zu drehen - im Gegenteil: Es ist die reinste Erholung. Vielleicht wäre es mal eine Herausforderung, einen schlechten Film zu machen.



plan7: Aber wenn Claude Chabrol Ihnen eine Rolle anbietet, sagen Sie stets Ja, oder?



Huppert: So ist es. Denn ich finde es spannend, dass man für seine Figuren stets eine Mischung aus Sympathie und Antipathie empfindet. Chabrol liebt diese Distanz, diese Objektivität. Er will den Zuschauer nicht bevormunden, sondern zum Nachdenken anregen. Und auch ich mag keine romantisch verklärten, idealisierten Figuren verkörpern - ich bin auf der Suche nach Wahrheit, auch wenn sie bitter sein mag.



plan7: Müssen Sie selbst Ihre Figuren sympathisch finden, um sie spielen zu können?



Huppert: Nein, überhaupt nicht. Ich muss einer Figur nur vertrauen - dann wird sie mich schon dorthin führen, wo sie hin soll. Manchmal eben auch in die dunklen Kammern der menschlichen Seele.



plan7: Wenn Chabrol von Ihnen spricht, benutzt er gern den Ausdruck "zerbrechliche Stärke" ...



Huppert: Damit meint er wohl meine Erscheinung auf der Leinwand. Aber sind wir Frauen nicht alle so? Zerbrechliche Wesen, die kämpfen und versuchen, in einer von Männern dominierten Welt zu überleben!



plan7: Wie geht Chabrol denn mit seiner Machtposition als Regisseur um?



Huppert: Er führt sich nicht wie ein Diktator auf, sondern erinnert mich eher an eine Eisenhand in einem Samthandschuh. Und er ist ein Humanist, was man seinen Filmen auch ansieht: Sie sind nie zynisch.



plan7: Sehen Sie sich selbst gern auf der Leinwand?



Huppert: O ja, durchaus. Besonders, wenn ich gut war. Ich ärgere mich nur manchmal über den Schnitt: Heutzutage hat sich die Unsitte durchgesetzt, im falschen Moment zu schneiden. Oft würde ich mir wünschen, ich wäre noch länger im Bild zu sehen.



plan7: Sehnen Sie sich manchmal nach den goldenen Zeiten des Kinos? Nach Ihren Anfängen in den 70er Jahren?



Huppert: Nein. Ich glaube, die besten Jahre sind stets die, die noch vor uns liegen. Ich blicke nie zurück.

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Datum:  20.7.2006
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Thomas Hirschbiegel

Aufschriften auf Firmenwagen sind immer wieder ein ergötzliches Thema. Jetzt stand ich am Eimsbütteler Markt hinter einem Transporter, auf dem stand: „Vor Ihnen fahren die Maler mit Freude am Beruf.“