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INTERVIEW HUUB STEVENS

»Wir haben kein Problem mit dem Kopf«

Huub Stevens hat keine Zeit. In den 14 verbleibenden Spielen muss der neue HSV-Coach das schaffen, was laut Statistik die Quadratur des Kreises bedeuten würde. Seit Einführung der Drei-Punkte-Regel gelang noch keinem Klub der Ligaverbleib, der nach dem 20. Spieltag 15 Zähler oder weniger auf dem Konto hatte. Der Holländer glaubt an das Unmögliche. Dafür arbeitet er rund um die Uhr - beinahe zumindest. Um abzuschalten, liest der 53-Jährige abends im Hotelbett Krimis von Robert Ludlum. Lieblings-Thema des Autors: der Kampf eines Einzelnen gegen übermächtige Gegebenheiten. Das passt!



MOPO: Die Mannschaft wirkt verunsichert. Wie wollen Sie bis Sonnabend das Kopfproblem in den Griff bekommen?



Stevens: Die Spieler haben kein Problem mit dem Kopf. Wir haben nur das Problem, dass wir zu wenig Punkte auf dem Konto haben. Jedes Spiel, das jetzt noch kommt, ist ein Endspiel für uns.



MOPO: Werden Sie das selbe System spielen lassen, wie Doll?



Stevens: Ich finde das System nicht so wichtig. Es geht um die Organisation, um das Umschalten bei Ballbesitz und bei Ballverlust.



MOPO: Was muss sich außerhalb des Platzes ändern?



Stevens: Es geht darum, dass die Jungs sich wohlfühlen. Ich werde das eine oder andere ändern. Wir werden sehen, ob die Spieler mit bestimmten Freiheiten umgehen können. Wenn einer nicht mitzieht, gibt es für den Trainer Möglichkeiten einzugreifen. Am liebsten ist mir aber, wenn die Jungs sich untereinander korrigieren. Da können Sie dann René Klingbeil fragen. Der führt die Mannschaftskasse.



MOPO: Was ändern Sie noch?



Stevens: Zwischen zwei Trainingseinheiten essen die Jungs gemeinsam Mittag. Das stärkt den Gemeinschaftssinn. Viele Spieler sind zudem nicht verheiratet und ernähren sich nicht gut genug. Außerdem müssen im Aufenthaltsraum Schlafgelegenheiten sein, damit die Jungs hier Mittagsruhe halten können. Nach den Spielen sollen sich alle gemeinsam mit ihren Familien im VIP-Raum treffen - und zusammen ein Glas Bier trinken. Alle sind voller Adrenalin, gemeinsam kommt man am besten wieder runter. Ich gucke immer, was man verbessern kann.



MOPO: Haben Sie sich schon bei Thomas Doll erkundigt, wie es um die Mannschaft bestellt ist?



Stevens: Ich habe ihn angerufen. Ich weiß nicht, wo er war - aber es war dort sehr laut. Er hat mich gebeten, später nochmal anzurufen. Da hatte ich aber keine Zeit mehr. Ich werde das schnell nachholen.



MOPO: Entspricht die Größe des Kaders Ihrer Idealvorstellung?



Stevens: Nein, wenn die verletzten Spieler wieder einsatzfähig sind, werde ich den Kader auf 22 Leute reduzieren. Einige werden dann bei Karsten Bäron trainieren.



MOPO: Sie haben die Verletzten angesprochen. Auf wen hoffen Sie kurzfristig?



Stevens: Trochowski ist gut dabei, Demel ist auch schon wieder gelaufen. Generell haben wir hier unglaublich viele muskuläre Verletzungen. So eine Häufung habe ich bisher noch nicht erlebt.



MOPO: Ist schon klar, wie Ihr Trainerteam aussehen wird?



Stevens: Nein. Karsten Bäron hat seine Aufgabe bei der zweiten Mannschaft. Wir haben Gespräche geführt, aber einige Kandidaten haben bestehende Verträge. Außerdem muss derjenige auch zur Mannschaft passen. Wir wollen das schnell klären.



MOPO: Boubacar Sanogo hat seit beinahe 1000 Minuten kein Tor erzielt. Wie wollen Sie ihn aufbauen?



Stevens: Er muss endlich wieder Spaß haben. Ich werde mit allen Spielern viel sprechen - mit ihm aber noch ein bisschen mehr.



MOPO: Was können Sie dem Team bis Sonnabend geben?



Stevens: Ich werde vorleben, dass man sich perfekt vorbereiten muss. Wer das tut, hat schon 60 Prozent geleistet. Der Rest ist Tagesform und Glück. Man ist nie perfekt, aber man strebt danach.

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Datum:  7.2.2007
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