Oliver Scheel (43) ist Rechtsanwalt und im Vorstand des HSV für die Belange der Fans zuständig. Der Ex-Supporters-Chef zeigt sich über die Rassismus-Vorwürfe von Campino Milligan schockiert. Im MOPO-Interview spricht Scheel über seine Sicht der Dinge.
MOPO: Herr Scheel, wie ist der Stand Ihrer Ermittlungen?
Scheel: Wir nehmen die Sache sehr ernst. Mit der gebotenen Zurückhaltung versuchen wir derzeit, alles aufzuklären. Ob wir auf den Videos der Stadionkameras brauchbare Beweise finden werden, vermag ich noch nicht zu sagen. Es handelt sich schließlich um eine verbale Auseinandersetzung.
MOPO: Konnten Sie den beschuldigten Ordner ausfindig machen?
Scheel: Wir arbeiten daran.
MOPO: Was sagen Sie zu den heftigen Vorwürfen?
Scheel: Eine Beurteilung wäre vorschnell. Dass man mit Fanartikeln der gegnerischen Mannschaft auf der Nordtribüne nicht gern gesehen wird, ist klar und steht ja auch in der Stadionordnung. Unsere Ordner wissen, dass sie Gäste im Stadion darauf hinweisen müssen.
MOPO: Bedrohungen und rassistische Beleidigungen entschuldigt das aber nicht.
Scheel: Natürlich nicht. Die ganze Sache ist sehr bedauerlich für den HSV. Wir haben gerade so viele positive Schlagzeilen geschrieben - und dann das! Unser Fanbeauftragter hat sich ja bereits bei dem Paar entschuldigt. Weitere Schritte überlegen wir uns, wenn der Sachverhalt aufgeklärt ist.
MOPO: Hat der HSV nach wie vor ein Rassismus-Problem?
Scheel: Nein, generell nicht. So ein Fall ist bei uns nicht die Regel. Wir arbeiten beim HSV sehr aktiv gegen Rassismus. Auf den Rängen findet auch eine Selbstreinigung statt. Leider kann man niemals alle Zuschauer im Griff haben.