Mit seinem Roman "Fleisch ist mein Gemüse" landete der Hamburger Lokalmatador Heinz Strunk (bekannt als Mitglied der Komikertruppe "Studio Braun") 2004 einen Bestseller. Der Autor erzählt die tragischkomische Geschichte einer Depression, die sich praktisch über die gesamte Kindheit und Jugend bis hin zum 40. Geburtstag erstreckt. Und wer Strunks Vita kennt, weiß: Ähnlichkeiten mit lebenden Personen sind nicht ausgeschlossen. Mit der MOPO sprach der 43-Jährige über den Film zum Buch und über seinen späten Erfolg.
plan7: Buch, Hörbuch, Hörspiel, Operette am Hamburger Schauspielhaus, Film - hat die Verwertungskette von "Fleisch ist mein Gemüse" jetzt ein Ende erreicht?
Heinz Strunk: Ich hoffe, ja! Wenn jemand sich da was ausdenken will: gerne, aber ohne mich! Selbst als man mich vor ein paar Jahren gefragt hat, ob ich das Hörspiel machen will, habe ich gesagt: "Okay, ich spreche eine Rolle, aber mehr bitte nicht." Das Gleiche galt für die Verfilmung.
plan7: Trotzdem sind Sie im Film zu sehen. Als Erzähler ¼
Heinz Strunk: ¼ der sich von Wand zu Wand mit einem ausgestopften Hirschkopf unterhält. Ich fand den Gag erst ein bisschen platt, aber hab mich dann ganz gut damit anfreunden können.
plan7: Wie ist es denn für Sie, Ihre eigene, nicht gerade glückliche Jugend noch einmal auf der Leinwand zu sehen?
Heinz Strunk: Die Geschichte stimmt nicht hundertprozentig mit meiner Biografie überein. Die Peinlichkeiten, die im Film an einem Abend passieren, haben sich damals über einen Zeitraum von einem Monat zugetragen. Doch damit kein Missverständnis entsteht: Mir hat der Film gut gefallen. Als ich die Rechte verkauft habe, hatte ich Bammel, dass irgendein schrecklicher Comedy-Regisseur sich des Stoffes annehmen würde, aber das ist zum Glück nicht eingetreten.
plan7: Warum mögen Sie keine deutsche Comedy?
Heinz Strunk: Die deutsche Comedy-Szene ist das Furchtbarste, was mir je unter die Augen gekommen ist. Mein Lebensziel ist es, sie auszurotten. Die Fun-Freitage im Fernsehen sind für mich ein Hochverrat am deutschen Humor, den Persönlichkeiten wie Loriot oder Helge Schneider geprägt haben. Doch was Mario Barth und Co. unters Volk bringen, ist eine niveaulose und arme Frechheit.
plan7: Im Herbst erscheint Ihr neuer Roman ¼
Heinz Strunk: "Die Zunge Europas" kommt im Oktober. Darin geht es um einen Gagschreiber, der für einen abgehalfterten Comedian arbeitet. Wenn ich ehrlich bin, haben mich nach "Fleisch ist mein Gemüse" enorme Versagensängste geplagt. Das Schreiben fiel mir schwer. Aber ich hab irgendwie die Kurve gekriegt.
plan7: Apropos: Wie groß ist die Genugtuung, mit Anfang 40 endlich als Künstler etabliert und kommerziell erfolgreich zu sein?
Heinz Strunk: Nur weil mein Buch verfilmt wurde, heißt das nicht, dass ich jetzt ein reicher Mann bin. Doch dass ich mittlerweile von der Kunst leben kann, stimmt mich schon ein wenig zufrieden.