Seit den 70ern liefert er fürs Fernsehen anspruchsvolle Filme und hat quasi den Grimme-Preis für sich abonniert. Zusammen mit seinem Kollegen Horst Königstein entwickelte Heinrich Breloer das Doku-Drama, eine Mischung aus Dokumentation und Spielfilm ("Speer und Er"). In "Die Manns - Ein Jahrhundertroman" befasste er sich 2001 erstmals mit Leben und Werk von Thomas Mann, um nun die "Buddenbrooks" ins Kino zu bringen. Ein Roman, mit dem Heinrich Breloer mehr verbindet als nur das Interesse an der Literatur.
Plan7: Sie entstammen selbst einer Kaufmannsdynastie. Ist Ihnen der Roman deshalb so nahe?
Heinrich Breloer: Es ist eine sehr ähnliche Geschichte. Mein Vater war Kaufmann. Ein knallharter Geschäftsmann, aber auch sehr an Kunst interessiert. Er hat mit einem Mehlgroßhandel an der Börse sein Vermögen gemacht. Und ähnlich wie der alte Buddenbrook hat er seine Söhne, darunter eben auch mich, ins Leben geschickt. Ein wenig habe ich mich anfangs so überfordert gefühlt wie Hanno Buddenbrook.
Plan7: Nach über 30 Jahren Regie beim Fernsehen nun der erste Kinofilm. Wieso hat das so lange gedauert?
Breloer: So genau kann ich das gar nicht sagen. Es hat sich nie ergeben. Ich habe Regie ja auch nicht an der Filmhochschule gelernt, sondern bin Autodidakt und habe mich von Film zu Film immer mehr an die Materie herangearbeitet. Irgendwie habe ich mich vorher auch nie reif genug gefühlt. Jetzt hatte ich das Gefühl, dass ich diese Form auch bildlich und erzählerisch bedienen kann. "Die Manns" hätte ich eigentlich auch schon als Spielfilm machen können. Jetzt, bei den "Buddenbrooks" dachte ich, ich wage den Wechsel ins andere Genre einfach, auch wenn man mich bei meiner Redaktion im WDR immer wieder gewarnt hat, ich würde es noch bereuen. Vor Ihnen sitzt also ein 67-jähriger Debütant.
Plan7: Wieviel Thomas Mann steckt in Ihrem Film?
Breloer: Die Quintessenz des Romans. Den Untergang eines fast vampirartigen Geschlechts. Man kann so einen Roman nicht eins zu eins in einem anderen Medium nachstellen. Letztlich haben wir versucht, mit unseren Mitteln Thomas Mann zu antworten, ihm aber nicht sklavisch zu folgen.
Plan7: Was können die Buddenbrooks uns heute noch erzählen?
Breloer: Thomas Mann erzählt in Form einer Familiengeschichte die große Wahrheit über das Leben. Und wenn man sich heute umschaut, wird er laufend bestätigt. Die Sterne, die so hell strahlen und vielleicht schon längst erloschen sind. Ein Satz wie, "Wenn das Haus fertig ist, kommt der Tod". Das sind Wahrheiten, die immer Gültigkeit haben und sich wieder und wieder bestätigen. Schauen Sie doch auf die jetzige Finanzkrise. Genau das, was Thomas Mann aus dem 19. Jahrhundert erzählt, passiert jetzt vor unseren Augen. Es geht nur ums Geld und um die Rendite. Der Mensch zählt dabei nicht. Thomas Mann hat seine Figuren so plastisch beschrieben, dass sie ein Eigenleben außerhalb des Formats haben und jeder sie heute auf der Straße und in den Chefetagen wieder entdecken kann. "Die Budenbrooks" ist eine deutsche Saga, wenn nicht die deutsche Saga.
Plan7: Wo sind eigentlich die Thomas Manns von heute?
Breloer: Tot. Wir dürfen nicht vergessen, dass Deutschland zwei Blutbäder hinter sich hat und dabei dieses geistige Potenzial und diese Begabungen vernichtet hat. Das schlimmste, was geschah, war, dass sich Deutschland von seinen Juden getrennt hat. Das war unser größter Schatz, und der fehlt uns jetzt. Es ist schwer, heutzutage Nachfolger für jemanden wie Thomas Mann zu entdecken.