Blonde Mähne, blaue Augen, waffenscheinpflichtiges Dekolleté: So begrüßt uns Heather Graham zum MOPO-Interview beim Filmfestival von Marrakesch. Zum Star wurde sie vor allem mit freizügigen Rollen - etwa als aufreizende Agentin in "Austin Powers II", als sexwütige Landpomeranze in "Bowfingers große Nummer" oder als Pornodarstellerin auf Rollschuhen in "Boogie Nights". Es scheint, als hätte sie einen Pakt mit dem Teufel oder mit einer verdammt guten Kosmetikfirma geschlossen: Nächstes Jahr wird sie 40, doch sie sieht nicht älter aus als 25. Nur ihr Lachen stört ein wenig den Gesamteindruck - es klingt wie eine bekiffte Bergziege.
plan7: Haben Sie selbst mal einen so wilden Polterabend erlebt?
Heather Graham: Ja. Der Polterabend meiner besten Freundin war ähnlich bizarr. Irgendwann tauchte die Polizei auf und wollte einige Gäste festnehmen, aber die Braut brüllte: "Verpisst euch! Sonst verklage ich euch! Ich bin Anwältin!" Dabei steckte sie damals noch mitten im Jurastudium! Hehehe!
plan7: Sie spielen in "Hangover" eine Art Hure mit Herz ...
Graham: Ich liebe diese Filmfigur: Sie ist eine warmherzige, schrullige Hippie-Stripperin mit einer spirituellen Einstellung zum Sex. Zur Vorbereitung auf die Rolle habe ich einen speziellen Stangentanz-Kursus absolviert - er hieß "Der Arschfaktor". Kein Witz! Hehehe!
plan7: Der Film ist voll von frivolen Gags. Hatten Sie damit keine Probleme?
Graham: Nein, im Gegenteil: Ich liebe so etwas! Ich finde, Sex ist eine sehr witzige Angelegenheit. Über Sex sollte man lachen können! Und ich liebe es, vor der Kamera einen Orgasmus vorzutäuschen. Ich würde zu gern mal eine Sexkomödie aus weiblicher Sicht drehen. Bislang dürfen sich Männer auf der Leinwand viel mehr schweinische Sachen erlauben als Frauen: Für mein Geschlecht gelten in Hollywood-Komödien immer noch gewisse sexuelle Grenzen. Ich fände es toll, wenn ich diese Schranken endlich einreißen könnte! Hehehe!
plan7: Spüren Sie als Frau in Hollywood auch den Druck, immer gut aussehen und den Körper in Form halten zu müssen?
Graham: Ja, klar. Zum Glück bin ich noch nicht an dem Punkt angelangt, an dem ich über Schönheitsoperationen nachdenken müsste - allein die Vorstellung lässt mich schaudern. Ich finde es viel schöner, wenn Menschen auf natürliche Weise altern. Abgesehen davon koche und esse ich gern. Ich halte auch keine Diät, versuche nur, mich bei den Nachspeisen zu bremsen. Hehehe!
plan7: Wen würden Sie gern mal zum Abendessen einladen?
Graham: Hmm. Barack Obama vielleicht. Oder Bono von U2. Ich mag Leute, die versuchen, die Welt ein bisschen lebenswerter zu machen. Leute, von denen ich lernen kann. Ha, jetzt weiß ich's: Ich würde Susan Sarandon einladen. Sie ist mein großes Vorbild. Gerne wäre ich wie sie!