Entwaffnend ehrlich präsentiert sich Harrison Ford im MOPO-Gespräch beim Filmfestival von Deauville: Der 67-jährige Hollywood-Haudegen redet offenbar lieber über seine Hobbys als über Filme. Er spricht langsam und leise, lässt bisweilen einen trockenen Humor aufblitzen – und wirkt dabei höchst knorrig, aber erfreulicherweise nie knurrig wie in seinem neuen Film „Ausnahmesituation“.
plan7: Einen so ruhigen, emotionalen Film hätten sicher viele Fans nicht von Ihnen erwartet ...
Harrison Ford: Stimmt. Aber ich war schon lange auf der Suche nach einer Rolle, die anders ist als alles, was ich bisher gespielt habe. Es war nicht leicht, das Geld für diesen Film aufzutreiben. Es ist ein Drama für Erwachsene – und liegt damit nicht sonderlich im Trend: Gefragt sind heutzutage eher Fäkalkomödien oder Thriller mit möglichst vielen Explosionen. Aber zwischenmenschliche Beziehungen haben mich schon immer mehr interessiert als Action.
plan7: Was schauen Sie sich denn am liebsten im Kino an?
Ford: Ich muss zu meiner Schande gestehen, dass ich so gut wie nie ins Kino gehe. In meinem Alter mag man nicht mehr so oft aus dem Haus. Und Filme daheim auf DVD zu gucken, hasse ich noch mehr.
plan7: Sie können wahrscheinlich auch nur noch in Nordkorea aus dem Haus gehen, ohne erkannt zu werden. Können Sie überhaupt noch ungestört Menschen beobachten?
Ford: Natürlich ist das schwierig, wenn man selbst ständig angestarrt wird. Aber ich habe da im Laufe der Zeit meine eigene Technik entwickelt. Und wenn ich allein sein will, setze ich mich einfach ans Steuer eines Flugzeugs. Über den Wolken habe ich meine Ruhe.
plan7: Was fasziniert Sie an der Fliegerei?
Ford: Zunächst hat es mich gereizt, all die anspruchsvollen Fähigkeiten zu entwickeln, die man als Pilot braucht. Außerdem gibt es dir ein wunderbares Gefühl von Freiheit, wenn du Herr über ein eigenes Flugzeug bist. Und schließlich spornt mich die große Verantwortung als Pilot an. Ich bin kein Draufgänger: Ich will meine Familie stets sicher ans Ziel bringen.
plan7: Stimmt es, dass Sie inzwischen ein halbes Dutzend Privatflugzeuge besitzen?
Ford: Ja. Darum bin ich ja so dankbar dafür, dass mich die Leute immer noch auf der Leinwand sehen wollen: Wenn ich keine Rollen mehr bekäme, müsste ich wieder als ganz normaler Passagier durch die Gegend gondeln. Aber abgesehen von diesem teuren Hobby lebe ich sehr sparsam. Beispielsweise habe ich mir noch nie einen Anzug gekauft – ich trage einfach immer die Klamotten aus meinen Filmen.
plan7: Sie wirken erstaunlich fit für einen Mittsechziger. Wie bleiben Sie in Form?
Ford: Eigentlich treibe ich kaum Sport; ich spiele nur regelmäßig Tennis und versuche, drei Mal pro Woche zu trainieren. Ich ernähre mich auch nicht sonderlich bewusst. Dass ich mich noch so gut fühle, habe wohl meinen Genen zu verdanken: Meine Mutter wurde 89, mein Vater sogar 92.
plan7: Würde es Sie reizen, noch mal die Peitsche von Indiana Jones zu schwingen?
Ford: Warum nicht? Wenn es nicht wieder zwei Jahrzehnte bis zum neuen Film dauert, bin ich bereit!
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