Doch Hany Abu-Assad hat sein Drama "Paradise now" nicht gemacht, um das Publikum zu begeistern und Lorbeeren als Filmemacher einzuheimsen. Er möchte zum Nachdenken anregen.
plan7: Wie reagierte das Publikum in Ihrer Heimat auf diese Geschichte?
Abu-Assad: Ich bekam von beiden Seiten heftig was um die Ohren: Israelis beschimpften mich als Lügner und Nestbeschmutzer, Palästinenser warfen mir Verrat an der heiligen Sache vor. Man begreift den Film und die Geschichte eben nur, wenn man bereit ist, Israelis und Palästinenser zu verstehen.
plan7: Woher kommt denn Ihr Abstand zu der Situation?
Abu-Assad: Ich bin Moslem, geboren in Nazareth, also Palästinenser aus Israel, der in den Niederlanden studiert hat. Dort wohne ich, habe aber auch ein Heim in Nazareth. Ich pendle also zwischen verschiedenen Kulturen, und durch meinen Aufenthalt in den Niederlanden habe ich die Möglichkeit, diese Konflikte mit größerem Abstand zu betrachten und die Ursachen des Handelns beider Seiten eher zu verstehen. Man muss sie ja deshalb nicht tolerieren.
plan7: Warum werfen Palästinenser Ihnen Verrat vor?
Abu-Assad: Weil ich zeige, dass da zwei Menschen missbraucht werden. Das sind junge Männer, die natürlich auch für ihre Freiheit kämpfen wollen, ja sogar bereit sind, sich zu opfern. Aber welche Freiheit ist es eigentlich? Und welches sind die Hintergründe für einen derartig endgültigen Schritt? Wir sehen, dass auch diese Selbstmordkandidaten Menschen sind, mit Gefühlen, Hoffnungen, Sehnsucht nach Liebe - und plötzlich entscheiden müssen, was ihnen wichtiger ist.
plan7: Ist denn Freiheit nicht auch ein relativer Begriff?
Abu-Assad: Natürlich kann es für jeden etwas anderes bedeuten, je nachdem, wo und wie er aufwächst, nach was er strebt. Aber letztlich gibt es immer eine gemeinsame Ebene, auf der man sich treffen kann.
plan7: Gab es Situationen bei den Dreharbeiten, in denen Sie Angst hatten?
Abu-Assad: Es gab da schon einige Momente, in denen ich dachte, ich hätte diese Projekt besser nicht starten sollen. Jede Seite fühlte sich bedroht, weil keine wusste, was wir da tatsächlich erzählen wollen.
plan7: Es bewegt sich ja einiges zurzeit in Ihrem Land. Keimt da Hoffnung auf?
Abu-Assad: Hoffnung gibt es nur, wenn beide Seiten offen auf einander zugehen. Und davor muss erst einmal eine Besinnung stattfinden, warum man überhaupt mittlerweile so handelt. Man muss bereit sein, Fehler zu sehen und sie auch zu korrigieren, statt in starren Sichtweisen zu verharren und sich selbst zu blockieren.