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INTERVIEW

Hamburgs Muslimen-Sprecher Mustafa Yoldas

Der sogenannte "Ehrenmord" an der Afghanin Morsal O. (=16) hat die Ängst der Hamburger vor dem Islam und den Muslimen wieder verstärkt. Der Rat der islamischen Gemeinschaften "Schura" (größter Dachverband der Muslime in Hamburg) weist Vorwürfe zurück, dass solche "Ehrenmorde" durch den Islam gedeckt sind. Die MOPO sprach mit dem Schura-Vorsitzenden Mustafa Yoldas.



MOPO: Herr Yoldas, im Namen der Ehre einer muslimischen Familie wurde in Hamburg ein Mädchen ermordet. Wie bewerten Sie das?



Mustafa Yoldas: Es ist ein Mord und so muss er auch behandelt werden. Mit dem Islam hat das überhaupt nichts zu tun. Der Islam toleriert in keiner Weise Gewalt, die Menschen anderen Menschen zufügen. Das gilt auch für Zwangsverheiratungen.



MOPO: Aber das war doch ein klarer "Ehrenmord" mit Motiven, die ein Deutscher so nicht ins Feld geführt hätte ...



Yoldas: Wenn eine Christin in Osdorf ihr Baby vom Balkon wirft, dann wird dafür auch nicht der christliche Glaube und die Bibel verantwortlich gemacht. Es ist doch so, dass schlechte Dinge, die Muslime begehen, immer gleich ihrem Glauben angelastet werden. Wenn ein Deutscher etwas Schlimmes tut, dann wird das nie mit seinem Glauben in Zusammenhang gebracht.



MOPO: Deutsche töten auch nicht im Namen der Ehre ...



Yoldas: Dieser Mann hat doch gar kein gläubiges Leben geführt. Er ist ins Bordell gegangen und hat Alkohol getrunken. Wie kann der sich auf seinen Glauben berufen?



MOPO: Also war seine Tat nicht durch den islamischen Glauben gedeckt?



Yoldas: Nein. Im Islam hat niemand das Recht, Selbstjustiz zu üben. Nicht anders als im deutschen Grundgesetz. Wenn die Schwester außerehelichen Sex ausgeübt hat, dann ist das eine Sünde, die sie mit Gott ausmachen muss. Der Koran sagt, dass Männer und Frauen außerhalb der Ehe keusch sein sollen. Die Familie hat aber kein Recht, die Tochter zu richten. Männer und Frauen sind im Islam gleichwertig und ebenbürtig.



MOPO: Wenn Frauen und Männer angeblich gleich sind, wieso führen sich viele muslimische Männer dann so machomäßig auf?



Yoldas: Das hängt nicht mit der Religion sondern mit dem Patriarchat zusammen. Es gibt Familien, die leben noch im Patriarchat. Sie glauben, dass Frauen der Besitz von Mann und Bruder sind, dadurch werden Frauen Opfer von deren Unterdrückung. Das hat der Islam aber längst abgeschafft. Frauen sind im Islam mündig und können über ihr Leben selbst entscheiden. Eltern haben lediglich die Pflicht, ihre Kinder gut, das heißt islamisch zu erziehen. Solche Menschen aber, die sich auf die Ehre berufen und Morde begehen, haben ein Selbstbild und ein Frauenbild, das aus Anteilen von Patriarchat, Tradition, Egoismus und Islamischen Elementen zusammengemischt ist. Da ist dann auch die Keuschheit des Mädchens wichtig, die des Mannes komischerweise nicht.



MOPO: Und wie ist aus Sicht des Islam ein sogenannter Ehrenmord zu bewerten?



Yoldas: Wer einen Ehrenmord begeht, der besudelt aus Sicht der Religion seine Ehre. Es ist ein Mord, der auch die Ehre des Täters beschmutzt. Wer so etwas tut, hat ein ganz falsches Bild von Frauen, Ehre und Familie. Und das ist nicht typisch für den Islam. Auch in anderen Gesellschaften mit patriarchalen Traditionen wie Italien, Spanien und Portugal gibt es Ehrenmorde. Das lastet niemand dem Christentum an.

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Datum:  28.5.2008
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