Sein Spielfilmdebüt "Bube, Dame, König, grAs" erlangte schnell Kultstatus. Seitdem dreht der 41-jährige Brite mal mit mehr, mal mit weniger Erfolg Kinostreifen. Schlagzeilen machte vor allem seine Ehe mit Madonna. Seit der Scheidung von der Queen of Pop konzentriert er sich wieder ganz auf seine Arbeit als Regisseur und hat sich jetzt den berühmten englischen Detektiv vorgenommen.
plan7: Warum haben Sie sich ausgerechnet an die Ikone der britischen Kriminal-Literatur herangewagt?
Guy Ritchie: Ich habe mich schon als Kind sehr für Sherlock Holmes interessiert. Ich kannte alle Geschichten. Und so hatte ich schon eine unbewusste Vorstellung davon, wie Sherlock Holmes tickt. Mein Sherlock Holmes ist traditionell und modern. Einerseits wollte ich seiner Tradition treu bleiben, anderseits bin ich ein zeitgenössischer Filmemacher und mache Filme für ein modernes Publikum. Ich kann den Zeitgeist nicht ignorieren. Auch in dieser Hinsicht kamen mir die Romane sehr entgegen. Denn die beinhalten ein Stück Rock'n'Roll, das wir in Sherlock-Holmes-Filmen bislang noch nicht gesehen haben.
plan7: Was zieht Sie an der Welt der Kriminellen und Gauner so magisch an?
Ritchie: Ich mag dieses Milieu, weil man dort die besten Geschichten findet. Da spielt sich das Leben mit all seinen Kämpfen und Intrigen in einer Nussschale ab. Man fragt mich auch oft, warum es in meinen Filmen immer nur um Männer geht. Darauf habe ich eine ganz einfache Antwort: Ich bin nun einmal ein Mann, und in dieser Welt kenne ich mich am besten aus.
plan7: Sind Sie froh, dass man nach Ihrer Trennung von Madonna endlich wieder mehr über Ihre Arbeit als über ihr Privatleben schreibt?
Ritchie: Die Geschichten über mein Privatleben habe ich schon seit Jahren nicht mehr gelesen. Klatschgeschichten sind nicht amüsant, wenn du selbst eine entscheidende Rolle darin spielst.
plan7: Aber Sie fühlen sich befreit?
Ritchie: Ich glaube schon. Aber an meiner vagen Antwort merken Sie bereits, dass dieses neue Lebensgefühl noch nicht ganz in mein Bewusstsein durchgesickert ist.
plan7: "Sherlock Holmes" ist Ihr bislang teuerstes Projekt. Wie erleichtert waren Sie, als Sie von dem guten Start des Films auf dem US-Markt lasen?
Ritchie: Ehrlich gesagt versuche ich schon seit Jahren, die finanzielle Seite meines Berufes zu ignorieren, so lange es geht. Dazu gehört auch, dass ich am Startwochenende nicht mit bangem Blick die Einspielergebnisse kontrolliere. Ich bekäme sonst Angstzustände. Aber im Ernst: Ich beschäftige mich erst drei Monate nach dem Start mit den Finanzen. So erspare ich mir eine Menge Angst.
plan7: Und das lassen Ihnen die Produzenten durchgehen?
Ritchie: Was habe ich als Filmemacher mit dem Einspielergebnis zu tun? Die Besucherzahlen gehen rauf oder runter und damit auch meine Angst-Kurve. Ich kann es sowieso nicht beeinflussen, wenn der Film erst einmal läuft. Der Stress beginnt, sobald ein Film vermarktet wird. Während des Drehens selbst mache ich mir überhaupt keine Sorgen.
plan7: Wo verkriechen Sie sich, wenn Ihre Filme anlaufen - in Ihrem Londoner Pub?
Ritchie: Ich verschwinde aufs Land und gehe angeln, oder so etwas in der Art. Da verfliegt die Angst dann ganz schnell. Meine Devise lautet: Öffne nicht die Tür, wenn der Teufel klopft.