Florian Lukas, 1973 in Ostberlin geboren und seit 1992 vor der Kamera, hat schon diverse Preise eingeheimst und gilt als einer der großen Hoffnungsträger des deutschen Films.
plan7: Für "Keine Lieder über Liebe" gab es kein Drehbuch. War es schwierig für Sie, ohne Skript zu spielen?
Lukas: Ja, weil es eine völlig neue Situation war. Wir hatten am Ende mehr als 250 Stunden Material. Daraus kann man fünf völlig verschiedene Filme machen, und wir wussten alle nicht, welche Takes letztlich ausgewählt werden. Es war dann schon sehr anstrengend mit wenig Schlaf, viel Alkohol und langen Drehtagen.
plan7: Sind Ihnen Regisseure, die genaue Anweisungen geben, lieber?
Lukas: Das ist es nicht. Ich muss Respekt vor der kreativen Autorität eines Regisseurs haben, nur dann funktioniert es. Insofern hatte ich bei der Auswahl meiner Filme bisher immer das richtige Händchen.
plan7: Sind Sie also einer, der gerne an Autoritäten kratzt?
Lukas: Ich bin im Osten aufgewachsen und habe miterlebt, was aus den so genannten Autoritäten geworden ist. Wenn man das sieht, hat man eine andere, kritischere Einstellung dazu. Ich glaube, das ist etwas, was Leute meiner Generation von denen im Westen unterscheidet.
plan7: Ist das auch ein Grund, warum Sie sich so gut mit Jürgen Vogel verstehen?
Lukas: Mit Sicherheit. Wir haben viel miteinander geredet und einige Parallelen festgestellt. Was ich an ihm immer bewundert habe, ist, dass er konsequent seinen Weg gegangen ist, ohne sich den üblichen Konventionen zu unterwerfen. Er hat eine Lebenseinstellung, die sich in vielen Bereichen mit meiner deckt. Sie werden lachen, aber ich wollte immer mal seinen Bruder spielen - und nun hat es geklappt.
plan7: Sie haben einen Filmpreis nach dem anderen abgeräumt. Macht Sie so etwas nervös?
Lukas: Ein wenig schon. Aber ich sehe das mit der nötigen Skepsis, denn ich bin seit mehr als zehn Jahren in diesem Metier und wundere mich, dass es für mich immer noch funktioniert.