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INTERVIEW DORIS DÖRRIE

"Komödie ohne Leiden kann nicht funktionieren"

DORIS DÖRRIE

Foto: dpa

Mit "Männer" gelang ihr vor über 20 Jahren der Durchbruch. Danach drehte Doris Dörrie (53) clevere Komödien wie "Nackt" oder "Bin ich schön?" und wurde zur erfolgreichsten Regisseurin der Republik. Nach dem Drama "Kirschblüten - Hanami" kommt die Dörrie nun wieder komisch daher, "Die Friseuse" erzählt von einer korpulenten Heldin, die sich gegen alle Widerstände ihren Lebenstraum erfüllt.



plan7: Ihre Heldin Kathi König berlinert sich mit flotten Sprüchen durch das Leben - ist Ihre Friseurin die weibliche Antwort auf Mario Barth?



Dörrie: Nein, ich glaube auch nicht, dass man überhaupt auf Mario Barth antworten muss (lacht). Die Figur basiert auf einer realen Friseuse, die sich selber auch so nennt, weil sie in der DDR ausgebildet wurde, wo der Beruf so bezeichnet wurde. Das ist eine sehr lustige Frau, die mir imponiert, weil sie die Fähigkeit besitzt, auch in miesen Situationen etwas Positives zu sehen.



plan7: Arbeitslosigkeit und Frauenbilder - solche Themen erwartet man eher in britischen Sozialkomödien als hierzulande im Reich der harmlosen Comedy.



Dörrie: Komödie ohne Leiden kann nicht funktionieren. Deshalb will ich immer das Tragische mit dem Komischen verbinden. Wir alle leiden. Und wir versuchen, damit irgendwie zurechtzukommen.



plan7: Sie haben mehrfach im fremden Japan gedreht, wie fremd war Ihnen Marzahn?



Dörrie: Oberflächlich betrachtet ist Marzahn nicht anders als Neuperlach oder Köln-Nippes - solche Stadtteile findet man überall. Interessanter fand ich, dass es gerade in meiner Generation doch sehr verschiedene Arten gibt, mit den Dingen umzugehen.



plan7: Sie haben Elmar Wepper für das Kino entdeckt. Davor schon Uwe Ochsenknecht, Heiner Lauterbach, Alexandra Maria Lara, Heike Makatsch°und nun Gabriela Maria Schmeide°- ein bisschen wie ein Trüffelschwein für deutsche Talente.



Dörrie: Ach, das arme Trüffelschwein! Dem geht es ja gar nicht ums Fressen, es sucht nur nach einem Mann. Seine einzige Motivation ist die, dass der Pilz so riecht wie ein Eber - darüber habe ich einmal geschrieben. Was Gabriela betrifft, habe ich sie vor über zehn Jahren in die "Polizistin" gesehen und fand sie großartig - das habe ich mir gemerkt. Ich habe ein gutes Gedächtnis für Schauspieler.



plan7: Was macht einen Schauspieler großartig?



Dörrie: Zur Großartigkeit gehört der Wille zur Wahrheit und der Mut, sich einer Rolle auszusetzen. Man ist dazu bereit, sich so weit herzuzeigen, dass Dinge zum Vorschein kommen, die man vielleicht lieber verhüllen würde.



plan7: Zum ersten Mal haben Sie ein fremdes Drehbuch verfilmt - macht es diese Distanz leichter, als wenn Sie einen eigenen Stoff umsetzen?



Dörrie: Ganz im Gegenteil. Ich habe mich nicht so sicher gefühlt, ich bin vorsichtiger, sehr viel rücksichtsvoller und netter einem fremden Stoff gegenüber. Die eigenen Drehbücher behandele ich weitaus ruppiger.



plan7: Wie weit verlassen Sie sich auf die Reaktionen bei Testvorführungen?



Dörrie: Ich gehöre wohl zu den ganz wenigen Filmemachern, denen es erlaubt wird, auf Testvorführungen zu verzichten. So etwas würde ich psychisch vermutlich auch gar nicht durchhalten.



plan7: Friseurin Kathi kämpft mit ihrer Fülle - Sie haben im Fatsuit den Selbstversuch als dicke Frau gewagt. Wie waren die Erfahrungen? °



Dörrie: Ich war nach wenigen Stunden den Tränen nahe. Die Leute haben mich angestarrt und dann weggesehen. Ich bin mit Absicht in Läden gegangen, wo es keine Größe 58 gibt. Die Verkäufer haben sich versteckt, um dann hinter mir herzulachen. In der Straßenbahn habe ich wütende Blicke kassiert, weil ich nicht auf einen Sitz gepasst habe. In Supermärkten kam ich nicht durch das Drehkreuz am Eingang. Wenn ich etwas gegessen habe, haben mich die Leute angestarrt, als wäre das nun wirklich das Letzte, dass ich überhaupt esse. Es war hochinteressant und wichtig, das zu erleben.

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Datum:  18.2.2010
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