Der Aramäer bestreitet, altgediente Christdemokraten durch Masseneintritte ausgrenzen zu wollen
Die Wahl des Ortsvorsitzenden in Billstedt sorgte für Aufsehen: Der Deutsch-Aramäer David Erkalp (31), Diplom-Ökonom und seit 1998 in der CDU, übernahm die Führung, löste Nils Quistorf ab. Zuvor hatte Erkalp rund 80 neue Mitglieder für den Ortsverband geworben - vorwiegend aramäischen Glaubens. Kritik wurde aus der Partei laut: Der Ortsverband sei übernommen worden, Altmitglieder würden verdrängt. Das Beispiel dürfe nicht Schule machen. Die MOPO sprach mit Erkalp über die Vorwürfe.
MOPO: Aus der CDU wird Ihnen eine Unterwanderung des CDU-Ortsverbandes Billstedt unterstellt. Was sagen Sie dazu?
David Erkalp: Es war ein ganz normaler demokratischer Akt, eine Wahl, die ich haushoch gewonnen habe. Es sind nicht lauter Ausländer gekommen und haben alles an sich gerissen. Diese Diskussion macht mich sehr ärgerlich. Was heißt denn Übernahme, was heißt denn Unterwanderung? Alle Ortsausschuss-Mitglieder waren auf meiner Seite. Es gab seit Jahren genug Stimmen, die einen Wechsel des Vorsitzenden forderten, weil er wenig für die CDU in seinem Stadtteil getan hat.
MOPO: Parteifreunden bereitet es Unbehagen, dass Sie vor der Wahl 80 aramäische Neumitglieder rekrutiert haben ...
Erkalp: Es ist ganz normal, dass vor Wahlen ein Ortsverband noch Mitglieder hinzubekommt. Der ehemalige Ortsvorsitzende hatte 130 Mitglieder. Wenn alle diese Mitglieder hinter ihrem Ortsvorsitzenden gestanden hätten, hätte ich doch gar nicht gewinnen können.
MOPO: Können Sie denn die Vorbehalte verstehen?
Erkalp: Nein. Es gibt auch in anderen Ortsverbänden Deutsche mit aramäischem Hintergrund. In St. Pauli, Rothenburgsort-Veddel und Horn. Die sind akzeptiert, anerkannt. Aramäer sind ein urchristliches Volk. Wir reden über Menschen, die seit 20 bis 40 Jahren in Deutschland leben. Man kann nicht sagen, dass sie keine Deutschen sind. Alle haben sich beleidigt gefühlt und sehen sich einer Hetzkampagne ausgesetzt. Diese Diskussion ist nicht gesund für unsere Gesellschaft. Wir sind deutsche Staatsbürger und nicht Deutsche zweiter Klasse. Wir haben die gleichen Wertvorstellungen vom Leben, von der Religion und der Moral. 80 Prozent dieser Menschen haben in Billstedt ein Eigenheim, es interessiert sie natürlich, was in ihrem Stadtteil passiert.
MOPO: CDU-Chef Fischer möchte ein Gespräch mit Ihnen, damit Sie dafür sorgen, dass sich Altmitglieder nicht ausgegrenzt fühlen.
Erkalp: Ich habe einen netten Brief von Herrn Fischer bekommen. Und wir werden uns treffen. Aber die Kritik kommt ja nicht aus der CDU, sondern aus der Presse. Ich werde natürlich niemanden ausgrenzen. Dieser Vorwurf ist doch absurd.
MOPO: Wie wird Ihre Politik aussehen?
Erkalp: Wir haben viele Themen. Beispielsweise der Entwicklungsraum Billstedt, Familie, die sozialen Einrichtungen, die Kirchen in unserem Stadtteil. Und natürlich wird es auch um Integration gehen. Ich will die CDU in Billstedt präsenter machen.
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