Spätestens seit seinem revolutionären Drogen-Drama "Requiem For a Dream" genießt der New Yorker Regisseur Darren Aronofsky weltweit Kultstatus. Beim Filmfestival von Deauville sprach die MOPO mit dem 37-Jährigen über seinen lange ersehnten neuen Film.
plan7: Was war die ursprüngliche Idee für "The Fountain"?
Aronofsky: Ich habe mich gefragt: Warum gibt es noch keinen Hollywood-Film über den Baum des Lebens oder den Jungbrunnen? Der Traum vom ewigen Leben und das Streben nach ewiger Jugend ziehen sich schließlich durch die gesamte Menschheitsgeschichte - von den ältesten Mythologien bis hin zu TV-Serien wie "Nip/Tuck"! Die meisten Leute sind fieberhaft damit beschäftigt, ihre körperliche Hülle intakt zu halten, und vergessen dabei, auch ihren Geist zu nähren. Es hat mich einfach gereizt, einen Film über den Tod und die Unsterblichkeit zu drehen.
plan7: Wann wurde Ihnen Ihre eigene Sterblichkeit bewusst?
Aronofsky: Schon sehr früh. Ich bin zu Zeiten des Kalten Krieges aufgewachsen - in permanenter Angst vor der Atombombe. So wie man heute den Menschen in den USA die Angst vor islamischen Terroristen eintrichtert, so hat man damals eine Paranoia vor den bösen Russen geschürt. Ich erinnere mich, dass ich als Teenager unglaublich schlechte Gedichte darüber geschrieben habe, von einer russischen Atombombe zerfetzt zu werden.
plan7: Damals wollten Sie aber noch keinen Film darüber machen?
Aronofsky: Nein, dieser Entschluss kam später, so etwa mit 30, als meine Eltern lebensgefährlich krank wurden und ich große Angst um sie bekam. Da fing ich an, darüber nachzudenken, was es bedeutet, jemanden zu verlieren. Darum geht es ja auch in meinem Film: um den verzweifelten Kampf gegen das Sterben, um die Angst vor dem Tod - und um die Einsicht, ihn als Teil des Lebens zu akzeptieren.
plan7: Sie sind für "The Fountain" von manchen Kritikern regelrecht geschlachtet worden ...
Aronofsky: Ich weiß. Das bin ich gewohnt. Meine Filme spalten nun einmal das Publikum - das ist ganz logisch, wenn man versucht, etwas völlig Neues zu machen. Auch "Pi" und "Requiem For a Dream", die heute angeblich als Kultfilme gelten, haben damals zum Teil vernichtende Kritiken bekommen. Bei der "Requiem"-Premiere in Cannes gab es zwar lange stehende Ovationen, aber am nächsten Tag las ich in der Zeitung, ich sollte keine Filme machen, sondern lieber eine Therapie. Die meisten Publikumsreaktionen auf "The Fountain" waren jedoch bis jetzt überwältigend positiv.
plan7: Mit welchen Argumenten würden Sie die Zuschauer in "The Fountain" locken?
Aronofsky: Sie sehen etwas, das sie bestimmt noch nie gesehen haben. Eine völlig neue Kino-Erfahrung. Einen Film, der sich mit den großen Fragen der Menschheit auseinandersetzt: Warum sind wir hier? Was ist der Tod? Was ist die Liebe? Ich glaube, mein Film ist geradezu ideal für ein Date. Denn den Frauen bietet er eine wunderbare Liebesgeschichte und Hugh Jackmans nackten Luxus-Oberkörper, und die Männer bekommen knackige Maya-Abenteuer und ziemlich abgedrehte Science-Fiction. Und nach dem Filmbesuch gibt es garantiert großartige Gespräche! (lacht)