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INTERVIEW DANIEL BRÜHL

"Endlich durfte ich ein ätzender Scheißtyp sein"

Wer Daniel Brühls vollständigen Namen hört, könnte denken, er sei in Wahrheit Opernsänger oder Stierkämpfer: Daniel César Martín Brühl Gonzàlez Domingo steht im Pass des 31-Jährigen. Seit "Goodbye, Lenin!" gehört er zu den beliebtesten deutschen Schauspielern. Doch das Sprachtalent (Englisch, Französisch, Katalanisch und Spanisch) hat unlängst in internationalen Produktionen wie Tarantinos "Inglourious Basterds" oder "Die Gräfin" von Julie Delpy mitgespielt. Die MOPO sprach mit ihm über seine Rolle in Leander Haußmanns "Dinosaurier" und die Last, immer der Sympathieträger zu sein.



plan7: "Dinosaurier" ist ein Film über alte Menschen und ihren Mut. Wie möchten Sie sein, wenn Sie alt und grau sind?



Daniel Brühl: Ich möchte gerne irgendwo eine schöne Hütte haben, allerdings nicht in der Stadt. Spanien könnte ich mir gut vorstellen, am Meer, da habe ich auch Verwandte. Dann sollten mich viele Menschen umgeben, die ich gerne habe. Vielleicht noch das ein oder andere Tier. Und dann soll ein Baum mich erschlagen, oder ich mache einen Köpfer von den Klippen. Hauptsache ein Abgang mit Stil!



plan7: Bleiben wir kurz in der Gegenwart: Noch nie haben Sie in einem Film so bescheuert ausgesehen und noch dazu so einen unangenehmen Typen gespielt ¼



Brühl: Ätzende Krawatte, Kauleiste, Selbstbräuner - endlich durfte ich mal so ein kleiner ätzender Scheißtyp sein. Mit den blonden Strähnchen hatte ich noch eine Weile zu kämpfen, die hielten sich ziemlich hartnäckig. Ich habe lange darauf gewartet, dass ich auch mal so eine fiese Rolle spielen konnte. Und es hat mir irrsinnige Freude gemacht.



plan7: Sie betonen oft, dass es Sie ein wenig langweilt, immer den melancholischen, in sich gekehrten Typen zu spielen. Warum?



Brühl: Es geht jetzt langsam los, dass mir auch andere Rollen angeboten werden. Oft lege ich Rollen gar nicht so sympathisch an, trotzdem kommt das wohl anders beim Publikum an. Eine Journalistin sagte mir, dass sie sogar den Banker, den ich jetzt in diesem Film spiele, sympathisch findet. Also, mal ehrlich: Der Typ ist so ein Arsch, den kann man doch gar nicht nett finden! Der ist zu allen Menschen kacke. Vielleicht ist das ein Fluch: Es scheint irgendwas an mir zu geben, was bei den Zuschauern automatisch Sympathie auslöst.



plan7: Fühlen Sie sich unterschätzt?



Brühl: Nein. Die Leute, die mich kennen, wissen, was ich kann. Ich muss niemandem etwas beweisen. Trotzdem bin ich an einem Punkt in meinem Leben, wo ich in eine andere Richtung gehen will. Dennoch: Wie ich als Schauspieler bislang in diesem Land wahrgenommen wurde, darüber kann ich mich nun wirklich nicht beklagen. Die Kritiker haben mich verschont. Doch mit den Rollen als sympathische Identifikationsfigur ist jetzt erst mal Schluss.



plan7: Das heißt, Sie spielen den Päderasten und Massenmörder?



Brühl: Das Problem ist, für Bösewichte gibt es nicht viele gute Rollen. Denken Sie an Christoph Waltz in Quentin Tarantinos "Inglourious Basterds". Diese Rolle ist ein Geschenk! Gute Parts zu erwischen ist schwierig. Sie scheitern auch häufig an der Fantasielosigkeit von uns Schauspielern, wenn wir das Drehbuch lesen.



plan7: Sie haben mal gesagt, dass sich Ihre Mutter wundert, dass Sie immer so nette Typen spielen. Angeblich können Sie auch eine "intrigante, kleine Ratte" sein ¼



Brühl: Meine Mutter nennt mich "Schmeißfliege". Das ist liebevoll und ironisch gemeint, aber kommt nicht von ungefähr. Aber neben meiner Mutter wundern sich auch meine guten Freunde, dass ich immer die netten Typen spielen darf. Das Problem ist, wenn man mit einer Rolle gut läuft, dann wollen die Leute das immer wieder sehen.

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Datum:  24.12.2009
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