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INTERVIEW CLIVE OWEN

»Ein glaubwürdiger Held mit Schwächen«

Seit seiner Titelrolle in "King Arthur" hat Clive Owen in Hollywood einen rasanten Aufstieg hingelegt: Oscar-Nominierung für "Hautnah", Denzel Washingtons charismatischer Gegenspieler in "Inside Man", weltweiter Blockbuster mit "Sin City". Nun versucht er im Thriller "Children of Men", die Menschheit vor dem Aussterben zu retten - eine schöne Herausforderung für den britischen Schauspieler, der lange als neuer James Bond gehandelt wurde. Die MOPO traf den 41-Jährigen beim Filmfestival von San Sebastiàn.



plan7: Sie sind jüngst zum "bestangezogenen Mann der Welt" gewählt worden. Wie war es für Sie, in "Children of Men" lange Zeit mit Flip-Flops herumlaufen zu müssen?



Owen (lacht): Ehrlich gesagt: Ich finde Flip-Flops ziemlich cool! Und in diesem Fall haben sie mir sehr geholfen, meine Rolle zu verkörpern. Denn Regisseur Alfonso Cuarón wollte auf keinen Fall einen Klischee-Helden, der das Mädchen und die Welt rettet, sondern eine äußerst ungewöhnliche Hauptfigur: Ich spiele einen depressiven, zynischen, verzweifelten Alkoholiker. Insofern waren die Flip-Flops ein genialer Einfall: Ein Macho-Held würde garantiert festere Schuhe tragen!



plan7: Stimmt es, dass Sie am Drehbuch mitgearbeitet haben?



Owen: Ja, Alfonso Cuarón hat mir angeboten, die Figur gemeinsam mit ihm zu entwickeln. Zwei Wochen lang haben wir über meine Rolle gesprochen. Dabei ging es nicht darum, dankbare Szenen zu schreiben, in denen ich mich als Schauspieler beweisen konnte. Stattdessen wollten wir eine glaubwürdige Figur kreieren, die den Zuschauer durch den Film führt: eine Figur, durch deren Augen wir Alfonso Cuaróns Zukunftsvision sehen. Ein Mensch mit Fehlern und Schwächen. Einer, der manchmal ein jämmerlicher Angsthase ist. So wie wir alle! (lacht)



plan7: Cuaróns Zukunftsvision ist sehr düster ...



Owen: Aber ich finde den Film überhaupt nicht pessimistisch. Erstens ist er voller Humor und Menschlichkeit. Und zweitens war es Alfonso Cuaróns Ziel, uns davor zu warnen, was mit der Menschheit passieren könnte, wenn wir bestimmte Probleme nicht lösen. Sicher, er zeigt trostlose Dinge, aber die gibt es auch heute schon auf der Welt. Indem der Film den Finger auf die Wunden legt, löst er Diskussionen aus - und das ist höchst gesund, erfrischend und positiv.



plan7: Im Film geht es unter anderem um den Umgang mit Flüchtlingen und Immigranten. Fühlen Sie sich als englisches Arbeiterkind in Hollywood auch wie ein Fremder?



Owen: Nein, ich fühle mich hier nicht wie ein Immigrant, sondern wie ein Glückspilz, weil mir die US-Filmindustrie großartige Möglichkeiten eröffnet hat. Hollywood wird ja gerne als "das Böse" dargestellt. Doch ich denke nicht in solchen Kategorien. Für mich gibt es einfach eine weltweite Filmfamilie, in der Leute von überall her zusammenkommen und eine universelle Sprache sprechen. Sehen Sie sich nur "Children of Men" an: ein außergewöhnlicher Film, verdammt teuer - aber trotzdem hat das Hollywood-Studio den Mexikaner Alfonso Cuarón bei seinen visionären Ideen unterstützt. Und ich bin sehr dankbar, dass ich dabei sein durfte!

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Datum:  9.11.2006
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Julia Sextl

Relativ häufig muss ich kurzfristig ein Taxi bestellen, um noch pünktlich zu einem Termin zu kommen. Meistens stehe ich schon auf der Straße, wenn der Wagen