MOPO: Brennende Autos, Krawalle, Tote: Sind die Hamburger noch sicher?
Christoph Ahlhaus: Ich habe Verständnis für die Sorgen der Menschen. Richtig aber ist: Bei dem Messerangriff handelt es sich um einen tragischen Einzelfall. Insgesamt haben wir aber 80000 Straftaten weniger als 2001. Hamburg ist sicherer als vor einigen Jahren.
MOPO: Es mehren sich die Stimmen, die Alkoholverbote und eine Ausweitung der Waffenverbotszonen fordern, um die Jugendgewalt einzudämmen. Bringt es das?
Ahlhaus: Es ist populistisch, jetzt nach neuen Verboten zu schreien. Wenn es so einfach wäre, hätte man das längst gemacht. Fakt ist doch: An Bahnhöfen hängen überall Kameras, und trotzdem hat der Täter zugestochen.
MOPO: Solche Täter sind also nicht zu stoppen?
Ahlhaus: Allein kann die Polizei das sicher nicht schaffen. Dafür ist bei solchen Tätern vorher zu viel schiefgelaufen. Wir nehmen diese Tat aber zum Anlass, genau zu prüfen, wieso die umfassenden Programme gegen Jugendgewalt in diesem Einzelfall nicht gewirkt haben. Hier sind Gesellschaft und Behörden gleichermaßen gefordert.
MOPO: Vielleicht helfen die Programme bei solchen Jungs schlicht nicht?
Ahlhaus: Ich frage mich schon, wie es sein kann, dass der Täter bei seinem langen Sündenregister keine ernsten Konsequenzen gespürt hat. Irgendwann ist es vorbei mit gut zureden und sozialen Projekten. Da helfen nur klare Grenzen, null Toleranz. Der Staat muss deutlich machen, dass seine Normen ernst zu nehmen sind.
Der amerikanische Schriftsteller T.C. Boyle erreicht mit seinen Büchern („Wenn das Schlachten vorbei ist“, 2012) ein Millionenpublikum. Der Mann hält wenig von den Menschen, auch weil die die Umwelt zerstören.