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INTERVIEW

Christian Ulmen

Als "Herr Lehmann" gab er sein Debüt auf der Kinoleinwand. Frischen Wind ins Fernsehen brachte der heute 33-Jährige mit "Dr. Psycho" und "Mein neuer Freund". Mangels Quote lief seine Show bald im Internet unter "ulmen.tv" weiter. Bevor er im Herbst mit Til Schweiger in "Männerherzen" zu sehen ist, spielt Christian Ulmen nun die Hauptrolle in "Maria, ihm schmeckt's nicht".



plan7: Angeblich mögen Sie keine Interviews, sondern hätten lieber einen Fragebogen, den dann jemand für Sie ausfüllen kann?



Christian Ulmen: Das habe ich einmal im Spaß gesagt. Ich wollte darauf aufmerksam machen, dass Schauspieler oft zu viel von sich erzählen. Dadurch verliert eine Figur leicht an Präzision. Mir geht es selber so: Wenn ich Angelina Jolie auf der Leinwand sehe, denke ich zuerst an die ganzen Kinder, die sie adoptiert hat - erst danach gewöhne ich mich an die Rolle. Aus diesem Grund wurde es in den 30er Jahren den Schauspielern verboten, Interviews zu geben.



plan7: "Schräg" ist nach Meinung vieler Ihr Prädikat - wie passt dazu der Auftritt in einer Bestseller-Verfilmung?



Ulmen: Da liegt ein Missverständnis vor: Ich wollte nie der Underground-Typ sein, der in seiner kleinen Nische arbeitet und mit zweieinhalb Zuschauern zufrieden ist. Ich hätte mich schon gefreut, wenn "Dr. Psycho" oder "Mein neuer Freund" im Fernsehen ein größeres Publikum gefunden hätten. Ich habe einfach keine Ahnung davon, wie man die breite Masse anspricht. Ich weiß nur, was ich persönlich lustig finde.



plan7: Schadet Mainstream nicht dem kreativen Ruf?



Ulmen: Überhaupt nicht! Es gibt auch gut gemachten Mainstream. "Maria ..." ist ein schönes Beispiel. Mein Kriterium heißt nicht "massentauglich" oder "underground". Entscheidend ist, ob mir etwas gefällt oder nicht. Auch die US-Serie "Friends" ist ein großartiges Beispiel für Mainstream, bei dem es auch absurd und subversiv zugehen kann.



plan7: Für die Rolle des Jan mussten Sie etliche Kilos abnehmen. Wie haben Sie das geschafft?



Ulmen: Jan wird im Roman als "mager und blass" beschrieben. Da ich dazu neige, zu viel zu wiegen, habe ich die Janet-Jackson-Crash-Diät gemacht: Mini-Portionen und kleine Beilagen. Nur Eiweiß und keine Kohlenhydrate. Das ist wahnsinnig ungesund, aber effektiv: Nach zwei Wochen waren acht Kilo runter. Danach habe ich wieder normal gegessen - und prompt zugenommen.



plan7: Kaum zu glauben, aber diese Dreharbeiten brachten Sie zum ersten Mal nach Italien - welche Erfahrungen haben Sie gemacht?



Ulmen: Ich habe überrascht festgestellt, dass alle Klischees über die Italiener stimmten. Wie bei den Berlinern. Die sind wirklich so rau, wie man sagt. Als ich in Berlin eine Waschmaschine kaufen wollte, hatte ich den Eindruck, dass ich mich dafür entschuldigen muss.



plan7: Inzwischen kann sich, dem Internet sei Dank, jeder als Komiker präsentieren - bringt diese Demokratisierung der Comedy einen neuen Schub an Späßen?



Ulmen: Nein, nur weil es Werkzeuge gibt, mit denen jeder umgehen kann, heißt das noch lange nicht, dass daraus auch gute Inhalte entstehen. Eine ähnliche Diskussion gab es damals bei der Erfindung des Synthesizers. Auch damit konnte jeder gleich Harmonien basteln, viele neue Komponisten hat es dadurch jedoch nicht gegeben.



plan7: Regisseur Leander Haußmann sagte, er habe Sie für den Film "Herr Lehmann" aus der Fernsehgosse geholt. Stimmt das?



Ulmen: Absolut. Das war ein großer Schritt in eine neue Richtung, Haußmann hat mich also tatsächlich aus der Fernsehgosse gerettet.

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Datum:  6.8.2009
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