Im Jahr 2001 erhielt Caroline Link den Oscar, doch erst sieben Jahre später kommt nun ihr neuer Film "Im Winter ein Jahr" in die Kinos. Mit der MOPO sprach sie über ihre Schwierigkeiten mit Hollywood und die Dreharbeiten mit Joseph Bierbichler und Karoline Herfurth.
Plan7: Eigentlich sollte Ihr neuer Film in den USA angesiedelt sein, mit amerikanischen Schauspielern.
Caroline Link: Es scheiterte an den Verhandlungen über die Schauspieler. So einen etwas schwierigen Stoff kann man eben in Amerika schlecht ohne einen Topstar in der Hauptrolle finanzieren. Das Problem war immer: Wer spielt diesen Maler?
Plan7: Wer war denn im Gespräch?
Link: Der Erste, den wir gefragt haben, war Sean Penn. Der war meine erste Wahl. Aber er wollte leider nicht. Dem war das Projekt zu klein, und er wollte dann lieber selbst Regie führen.
Plan7: Joseph Bierbichler soll mindestens so schwierig sein wie Sean Penn. Welche Erfahrungen haben Sie mit ihm gemacht?
Link: Ich freue mich immer auf Leute, mit denen alle Schwierigkeiten haben. Vorausgesetzt, ich mag sie irgendwie und respektiere sie. Wenn es jemand wie der Joseph Bierbichler ist, den ich sehr bewundere, steht meine Neugier im Vordergrund.
Plan7: Hat er sie auch ein bisschen zappeln lassen?
Link: Ein bisschen. Irgendwann war er dann aber interessiert und hat sich wahrscheinlich auch ausgerechnet, dass er mit so einem Film mal ein bisschen mehr Geld verdienen kann als mit seinen Low-Budget-Filmen. Denn irgendwie muss ja auch ein marxistischer Großgrundbesitzer sein Leben finanzieren...(lacht).
Plan7: Was haben Sie eigentlich mit Karoline Herfurth gemacht? Sie stellt vor der Kamera unglaublich intime Momente her.
Link: Im ersten Moment denkt man, die Karoline ist ein ganz normales Mädchen Anfang zwanzig. Aber als ich dann anfing mit ihr über diesen Stoff zu sprechen, kam da eine Tiefe und Reife zum Vorschein, die wirklich verblüffend ist. Und das liegt sicher auch daran, dass sie selbst eine nicht ganz einfache Jugend hatte und schon viel erlebt hat für ihr zartes Alter. Das hat uns bei der Arbeit sehr geholfen.
Plan7: Was treibt Sie am Thema Familie so um?
Link: Mich interessiert das Entstehen von Persönlichkeiten in ihrem familiären Umfeld. Dazu kommt, dass ich eine enge Verbindung zu meiner Familie habe. Das war auch immer sehr konfliktbeladen, aber auch sehr herzlich und offen.
Plan7: Sie wollen den Erfolg nicht um jeden Preis. Ist das ein Rezept, um im Filmgeschäft glücklich zu überleben?
Link: Ich versuche mich immer in die Zeit vor "Jenseits der Stille" zu versetzen, als noch keiner etwas von mir erwartet hat. Das war ein Gefühl von Freiheit, das mir Spaß macht. Wenn niemand guckt und ich nur so für mich herumwurschtel: Dann kann ich kreativ sein.