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INTERVIEW

Bruno Ganz

Ein bescheidener Schweizer prägt seit mehr als 40 Jahren den Film und das Theater in Deutschland: Bruno Ganz. Zuletzt wagte er Ausflüge nach Italien ("Brot und Tulpen"), nach Hollywood ("Der Manchurian Kandidat") und in die Abgründe der menschlichen Seele ("Der Untergang"). Für das Kindheitsdrama "Vitus" ist der 65-Jährige nun in seine eidgenössische Heimat zurückgekehrt. Die MOPO traf den stillen, scheuen Schauspiel-Star beim Filmfestival von San Sebastiàn.



plan7: Was bedeutet Heimat für Sie?



Ganz: Max Frisch hat mal gesagt: "Heimat ist dort, wo man zum ersten Mal an einen Baum pinkelt." Da ist etwas Wahres dran: Heimat hat für mich viel mit meiner Kindheit zu tun, mit meiner Mutter, mit dem Vorort von Zürich, in dem ich aufgewachsen bin. Ich habe ja sehr lange anderswo gelebt, vor allem in Berlin, einer Stadt, die mich immer mehr interessiert hat als Zürich. Aber mein Verhältnis zum Ort meiner Kindheit ist viel inniger als zu irgendeinem anderen Ort auf der Welt.



plan7: Waren Sie froh, endlich wieder vor der Kamera Schwyzerdütsch reden zu dürfen?



Ganz: Ja, es war sehr schön, nach so langer Zeit wieder in der Schweiz zu drehen und zu meiner Muttersprache zurückzukehren. Ich kenne Regisseur Fredi Murer seit meiner Pubertät, wollte schon immer mit ihm arbeiten und war froh, dass es jetzt endlich geklappt hat. Die Geschichte von "Vitus" fand ich sehr interessant - nur ein kleiner Aspekt meiner Rolle hat mir anfangs gar nicht geschmeckt: Ich spiele einen Großvater. Und ich dachte: "O je, jetzt bekommst du also nur noch Großväter-Rollen." Aber dann dachte ich: Na und?



plan7: Im Film spielen Sie ziemlich miserabel Schach. Und im wirklichen Leben?



Ganz: Auch! Ich habe zwar 1978 mal in einem Film von Wolfgang Petersen einen Schach-Champion gespielt und damals viel Schachliteratur gelesen - seitdem weiß ich viel über das tiefe Wesen dieses Spiels. Aber in der Praxis nutzt mir das natürlich nichts. Ich glaube, mich könnte jeder schlagen! (lacht)



plan7: In "Vitus" geht es darum, seine Kindheit noch möglichst ins Erwachsenenleben hinein zu verlängern. Können Sie das als Schauspieler auch, indem Sie spielen, sich verkleiden, in andere Rollen schlüpfen?



Ganz: Ich versuche das ständig, und man macht es mir manchmal zum Vorwurf, dass ich kindisch sei. Aber Sie müssen als Schauspieler auch verdammt erwachsen werden: Man muss lernen, harte Dinger einzustecken. Wenn es einem gelingt, eine Art von Kindlichkeit zu bewahren, eine Offenheit, Neugierde und Fantasie, dann hat man viel erreicht.



plan7: Wie wählen Sie Ihre Projekte aus?



Ganz: Letztlich entscheidet immer der Stoff. Ein guter Regisseur oder eine gute Rolle allein reizen mich nicht - die Geschichte muss stimmen. Sogar als Francis Ford Coppola mich angerufen und gefragt hat, ob ich in seinem neuen Film "Youth Without Youth" mitspielen wollte, habe ich nicht blind zugesagt, sondern geantwortet: Ich würde gern erst das Drehbuch lesen.



plan7: Coppola hat Sie höchstpersönlich angerufen?



Ganz: Ja, das war großartig. Er hatte mich offenbar in "Der Untergang" gesehen. Mein Telefon klingelte, ich nahm den Hörer ab und hörte eine Stimme auf Englisch sagen: "Hallo, hier ist Francis Coppola. Ich würde gern mit Bruno sprechen." Es war wie im Märchen. Auch die Zusammenarbeit mit ihm: ein Traum, der wahr geworden ist. Hoffen wir, dass es nicht der letzte bleibt! (lacht)

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Datum:  21.12.2006
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Julia Sextl

Relativ häufig muss ich kurzfristig ein Taxi bestellen, um noch pünktlich zu einem Termin zu kommen. Meistens stehe ich schon auf der Straße, wenn der Wagen