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INTERVIEW BENICIO DEL TORO

"Von meinen Hunden habe ich mir viel abgeguckt"

Benicio Del Toro (42) ist eine Wucht - als Mensch wie als Schauspieler. Verehrerinnen scharen sich um ihn, er selbst findet das eher belustigend. Für das Remake von "Der Wolfsmensch" (1941) mutiert der 1,88-Meter-Hüne nun zum gefürchteten Biest.



plan7: Worin liegt die Faszination von Horrorfilmen?



Benicio Del Toro: Die Attraktion ist das Unbekannte. Bevor die Menschheit nicht herausgefunden hat, was nach dem Tod mit uns geschieht, wird sie sich immer weiter für das Fantastische, für Monster und sonstige Phänomene interessieren. Sie sind Teil unseres Unterbewusstseins.



plan7: Das Original von "Der Wolfsmensch" stammt aus dem Jahr 1941, auch die neue Version wird im klassischen Stil erzählt. Waren Sie von Anfang an überzeugt von dieser Machart?



Del Toro: Ja. Wir wollten den klassischen Stil beibehalten, aber damit trotzdem das Hier und Jetzt erreichen. Daher brachten wir mehr Farbe und einige neue Wendungen in die Handlung ein. Entscheidend war auch das Make-up. Wenn das Monster nicht perfekt aussieht, kannst du den ganzen Film vergessen. Und wenn du es gut machst, kannst du etwas für die Ewigkeit schaffen: Zeige einem Zehnjährigen ein Bild von Boris Karloff aus dem Film "Frankenstein" (1932) - er wird ihn sofort identifizieren können. Er braucht den Film dafür vorher nicht einmal gesehen zu haben, es wird ihm quasi in der DNA mitgegeben.



plan7: Mussten Sie für diesen Film in Kontakt mit Ihrer dunklen Seite treten, um den Werwolf überhaupt spielen zu können?



Del Toro: Ich stehe schon lange in Kontakt mit meiner dunklen Seite, glauben Sie mir.



plan7: Wovon haben Sie sich für die Rolle inspirieren lassen? Haben Sie sich die Mimik irgendwo abgeschaut?



Del Toro: Ich habe zwei Hunde, einen Bernhardiner und einen Australian Shepherd. Von den beiden Kerlen konnte ich einiges lernen. Leider ist meine Zunge nicht ganz so lang wie ihre. Ich wünschte, ich könnte meine Nase damit putzen, genauso wie sie.



plan7: Wenigstens hatten Sie dafür das Vergnügen, Sir Anthony Hopkins als Leinwand-Vater zu haben.



Del Toro: Ach, das war fast genauso wie mit meinem echten Vater (lacht). Nein, mein Vater war zwar auch sehr streng und hat Pistolen besessen, aber das sind schon die einzigen Parallelen.



plan7: Fast nichts hat Ihnen so viel abgerungen, wie Ihre letzte Rolle als Che Guevara. Trotzdem blieb die verdiente Anerkennung danach aus. Bekamen Sie damals Zweifel an Ihrer Schauspielkunst?



Del Toro: Nein, keine Spur! Lob ist schön und gut, aber dafür mache ich das Ganze hier nicht. Im Übrigen hat "Che" einige Awards bekommen, nur eben nicht die in Hollywood üblichen. In einigen Ländern hat der Film große Aufmerksamkeit erregt, in anderen weniger. Je mehr Zeit vergeht, desto stolzer bin ich auf den Film, schließlich war er ein großes Stück Arbeit.



plan7: Wie war im Vergleich dazu der Dreh zu "Wolfman"?



Del Toro: Es war eine große Erleichterung. Ich konnte Make-up auflegen und Spaß haben, es war wie auf einer Halloween-Party. Für "Che" musste ich mich an historische Fakten halten und schleppte deshalb immer einen riesigen Stapel Bücher mit mir herum.



plan7: Haben Sie - der ewige Rebell - schon mal daran gedacht, sesshaft zu werden, mit einer Ehefrau und vielen kleinen Kindern?



Del Toro: Vorgestellt habe ich mir das schon oft, mir fällt es nur äußerst schwer, das richtige Mädchen für mich zu visualisieren. Im Moment denke ich nicht allzu viel darüber nach. Aber möglich wäre es eines Tages, könnte bestimmt recht nett sein.

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Datum:  11.2.2010
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