Frauenschwarm Ben Barnes, der seine Karriere als Musicaldarsteller begonnen hatte, wurde 2008 zum begehrtesten britischen Junggesellen gewählt. Witzig, warmherzig und wohlerzogen wirkt der 28-Jährige im MOPO-Gespräch.
plan7: Haben Ihnen die vielen Sexszenen Spaß gemacht?
Ben Barnes: Ich fand sie eher anstrengend. Besonders grausam war, dass ich gleich am ersten Drehtag mit einer Sexszene beginnen musste. Ich kam morgens in meinen Wohnwagen und konnte mein Kostüm nicht finden. Als ich mich beim Ausstatter erkundigte, sagte der nur lapidar: "Du brauchst heute nichts anzuziehen." Aber das war noch harmlos im Vergleich zu dem, was folgte.
plan7: Wie meinen Sie das?
Barnes: Im Verlauf der Dreharbeiten wurden die Sexszenen immer bizarrer. Wir schoben Nummern zu dritt, dann kamen Augenbinden ins Spiel, schließlich Peitschen, Federboas und sogar Rasierklingen, bis ich irgendwann Regisseur Oliver Parker fragte: "Muss das immer in einer Fetisch-Orgie ausarten? Können wir nicht auch mal ganz normalen Sex haben?" Manche Szene fiel später der Schere zum Opfer, aber der Film lässt immer noch erahnen, wie es im Schlafzimmer von Mr. Parker zugeht.
plan7: Im Film geht es um die Furcht vor dem Verlust der jugendlichen Schönheit. Haben Sie auch Angst davor?
Barnes: Ich habe eher das umgekehrte Problem: In manchen Bars muss ich mit meinen 28 Jahren immer noch meinen Ausweis zeigen. Und wenn ich mich für die Rolle eines 27-Jährigen bewerbe, heißt es: "Tut uns leid, aber das Alter nimmt man Ihnen nicht ab." Ich hätte also nichts dagegen, wenn ich ein bisschen älter aussähe.
plan7: Ist Schönheit in Ihrem Beruf eher ein Fluch oder ein Segen?
Barnes: Beides. Natürlich habe ich Rollen wie Prinz Kaspian oder Dorian Gray meinem Aussehen zu verdanken. Andererseits werde ich oft als glatter Schönling abgestempelt - dann muss ich erst mühsam Vorurteile ausräumen und beweisen, dass ich als Schauspieler durchaus einiges drauf habe. Ich will mich zwar nicht mit Johnny Depp vergleichen, aber als er neulich erzählte, wie man ihn anfangs als hübschen Poster-Boy vermarkten wollte, konnte ich das gut nachfühlen.
plan7: Und jetzt wollen Sie raus aus der Schönling-Schublade?
Barnes: Ja. Ich möchte die Leute mit meinen Rollen überraschen. Mein Agent rauft sich schon die Haare, weil ich dazu tendiere, immer die ausgefallensten Angebote anzunehmen. Ich habe die Erfahrung gemacht: Je besser das Drehbuch, desto schlechter die Bezahlung. Aber das ist mir egal. Mein Ziel ist es, dass ich in 20 Jahren immer noch als Schauspieler arbeiten kann. Und dass ich so wunderbare Filme drehen darf wie Colin Firth.
plan7: In "Das Bildnis des Dorian Gray" haben Sie zum zweiten Mal mit Colin Firth zusammengearbeitet. Ist er eine Art Mentor für Sie?
Barnes: Das behauptet er. Aber als Mentor taugt er nichts: Noch nie hat er mir einen vernünftigen Rat gegeben oder eine meiner Fragen anständig beantwortet. Ich würde ihn eher als Freund bezeichnen. Er ist einer der witzigsten Menschen, die ich kenne.
plan7: Er hat erzählt, Sie hätten ihn bei den Dreharbeiten zu "A Single Man" besucht.
Barnes: Stimmt. Das war sehr amüsant. Als ich kam, drehte er gerade eine Szene, in der er auf dem Klo sitzen musste. Mitten während der Aufnahme vibrierte plötzlich mein Handy in meiner Hose - er hatte mir eine SMS geschickt: "Ich mach' Pipi." Er hat also, während die Kamera auf sein Gesicht gerichtet war, heimlich an seinem Handy rumgefummelt! Und dafür hat der Kerl auch noch eine Oscar-Nominierung bekommen! Skandalös!