Nach einigen spektakulären Flops als Schauspieler ("Paycheck", "Gigli - Liebe mit Risiko", "Jersey Girl") überrascht das 35-jährige Multitalent seine Kritiker nun mit seinem erstaunlich reifen Kino-Regiedebüt: In "Gone Baby Gone" macht sich Bens jüngerer Bruder Casey Affleck als Privatdetektiv auf die Suche nach einem verschwundenen Mädchen. Die MOPO traf Ben Affleck nach der Weltpremiere seines Krimidramas beim Filmfestival von Deauville.
plan7: Wie Clint Eastwoods "Mystic River" basiert auch Ihr Film auf einem Roman von Dennis Lehane. War Eastwoods Drama eine Inspirationsquelle für Sie?
Affleck: Nein, gar nicht. Ich finde es auch blöd, mich mit Clint zu vergleichen. Ich bin bloß ein kleiner Mensch. Er hingegen ist ungefähr so groß wie der Kilimandscharo.
plan7: Während Ihrer Arbeit am Drehbuch sind Sie selbst Vater geworden. Hat das Ihren Blick auf die Kindesentführungsgeschichte verändert?
Affleck: Das verschwundene Kind ist für mich nicht das Hauptthema des Films. Dieser Aspekt hat mich auch überhaupt nicht interessiert. Mir ging es eher darum zu zeigen, wie Menschen von ihrem Umfeld geprägt werden, wenn sie in einem Teufelskreis aus Armut, Drogen und Gewalt aufwachsen. Für mich ist das eine Geschichte über das Erwachsenwerden: Der Privatdetektiv gerät am Ende in ein moralisches Dilemma, muss eine Entscheidung fällen und die Konsequenzen tragen, ohne jemals zu wissen, ob er richtig gehandelt hat.
plan7: Dieser Privatdetektiv ist im Roman deutlich älter ...
Affleck: Ja, und eine meiner besten Entscheidungen als Regisseur war es, ihn jünger zu machen. Ich finde, dadurch wird die Story viel interessanter. Zudem konnte dadurch mein Bruder Casey die Figur spielen. Er war für mich einfach die Idealbesetzung.
plan7: Gab es keinen Bruderzwist am Set?
Affleck: Nein. Ich habe es sehr genossen, ihn herumzukommandieren. Vor allem hat mir die Arbeit mit ihm so viel Spaß gemacht, weil er ein wirklich guter Schauspieler ist. Manchmal kann er auch ein kleiner Unruhestifter sein. Aber das passt ja zu seiner Rolle im Film. Im Prinzip verstehen wir uns ziemlich gut.
plan7: Er hat erzählt, dass Sie sich in Ihrer Kindheit immer gegenseitig die Klamotten weggenommen haben.
Affleck: Stimmt. Wir waren zwar nicht arm, aber aus irgendeinem Grund gab es nie genügend saubere Kleidung - darum haben wir sie ständig voneinander geklaut. Natürlich habe ich seine Sachen beim Tragen ausgeweitet, weswegen er entsprechend sauer war ... (lacht)
plan7: Später haben Sie jahrelang mit ihm und Matt Damon zu dritt in einer WG gehaust. Wie war das?
Affleck: Chaotisch. Matt hat beispielsweise nie irgendetwas geputzt. Nicht ein einziges Mal. Und Casey war auch nicht viel besser. Bloß ich habe manchmal irgendwelchen Dreck weggeschmissen. Es war also immer extrem schmutzig bei uns. Trotzdem hatten wir eine schöne Zeit!
plan7: Matt Damon hat behauptet, dass Sie damals immer alle Mädels abgekriegt haben ...
Affleck: Ach was! Völliger Blödsinn! Ich musste oft allein unten auf der Couch schlafen, während er oben ... Ach, lassen wir das! (lacht)