Die BAP-Anhänger meint Wolfgang Niedecken natürlich nicht, wenn er vom Zusammenhang zwischen Fan-Sein und Leidensfähigkeit spricht. Denn Fans seiner Band werden bestens bedient - auch auf der aktuellen "Sommernachts"-Tour: Da nehmen sich der 58-Jährige und Kollegen nicht nur die Freiheit, je nach Stadt das Programm umzustellen, sie spielen auch auf Wunsch des Publikums eigentlich nicht vorgesehene Titel ...
MOPO: Ohne Sie in Rente schicken zu wollen, aber: Denken Sie nach 33 Jahren BAP manchmal drüber nach, wie lange Sie noch auf der Bühne stehen werden?
Wolfgang Niedecken: Würden Sie einen Schriftsteller fragen, wann er aufhört? Na, sehen Sie ... Und selbst wenn ich es eines Tages im Rücken haben sollte - dann versuche ich es im Sitzen! Rock'n'Roll live auf der Bühne zu spielen ist doch das Schönste, was du machen kannst: Du bringst das, was du dir ausgedacht hast, vor die Leute. Ich kann mir nicht vorstellen, das irgendwann nicht mehr machen zu wollen.
MOPO: Was ist denn das Besondere am Rock'n'Roll?
Niedecken: Er ist authentisch, verbunden mit Sinnlichkeit und Spontaneität - alles Sachen, die mir viel bedeuten. Pop ist viel konstruierter. Für mich ist es eine Ehre, Frontmann einer Rockband zu sein. Sänger einer Popband zu sein interessiert mich nicht.
MOPO: Sie sprechen mit großer Leidenschaft über Ihren Beruf. Fast genauso schwärmen Sie für Fußball. Sind Sie im Hinblick auf die vergangene Saison eigentlich froh, dass mit der Sommerpause auch Ihre Leidenszeit mit dem 1. FC Köln erst mal ein Ende hat?
Niedecken: Überhaupt nicht! Ich finde die Winterpause ja schon grauenhaft, meine ganzen Wochenenden geraten da durcheinander. Das ist furchtbar! Für einen ordentlichen Sonnabend brauche ich die Bundesliga.
MOPO: Trotz der nicht ganz so erfolgreichen Saison und des Abgangs von Christoph Daum?
Niedecken: Es ist ja so: Eigentlich will man als Fan gar nicht mit seinem Verein feiern, sondern im Grunde gemeinsam leiden. Mir tun Bayern-Anhänger leid, die ständig das Double holen: Für uns in Köln ist dieses Double-Jahr 1978 bis heute etwas ganz, ganz Großes. Bei mir im Treppenhaus hängt ein edel gerahmtes Mannschaftsposter von damals mit allen Unterschriften: Das sehe ich jeden Morgen, und ich freue mich jedes Mal. Seither haben wir zwar nur ein Mal den Pokal geholt, aber wir haben fantastisch gelitten (lacht).