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Interview

August Diehl

Mit Filmen wie "23", "Was nützt die Liebe in Gedanken" und "Der neunte Tag" hat sich August Diehl als einer der besten deutschen Darsteller etabliert. Nun spielt der 31-Jährige in "Die Fälscher" einen KZ-Häftling, der im Auftrag der Nazis in großem Stil Blüten herstellen soll.



plan7: Wenn man die KZ-Baracken mit der Fälscherwerkstatt im Film sieht, die Tischtennisplatte, die Operettenmusik, die bunten Abende, dann kann man das alles kaum glauben. Ist das wirklich so passiert?



Diehl: Diese bizarren Details sind alle authentisch. Ich glaube, so etwas könnte man sich auch gar nicht ausdenken. Adolf Burger, der Zeitzeuge, auf dessen Erinnerungen unser Film basiert, kam eines Tages zu uns nach Babelsberg ans Filmset, sah sich eine Weile lang um und meinte dann: "Die Tischtennisplatte war aber drinnen, nicht draußen." Das hat uns gezeigt, dass alles andere, was man im Film sieht, wohl ziemlich nah an der Realität war.



plan7: Sie selbst verkörpern diesen Zeitzeugen im Film ...



Diehl: Nein, meine Figur ist nur lose an den echten Adolf Burger angelehnt. In Wirklichkeit ist er zum Beispiel viel humorvoller, nicht so starrköpfig wie im Film. Ich habe ihn drei Wochen vor Drehbeginn getroffen und mich einen Nachmittag lang mit ihm unterhalten. Ein unglaublicher Typ: Noch heute, mit 90 Jahren, hält er Vorträge, um die Leute aufzuklären über das, was damals passiert ist.



plan7: Der Film thematisiert die Frage, ob man im KZ Pingpong spielen darf, während nebenan Menschen zu Tode gefoltert werden. Ebenso gut könnte man heute fragen: Darf man All-inclusive-Urlaub machen, wo nebenan Menschen verhungern?



Diehl: Deshalb ist es auch ein so moderner Film - weil er eigentlich aktuelle Fragen behandelt. Denn das KZ ist eine Allegorie auf unsere Gesellschaft: So wie die Fälscher damals mitten im KZ, wo ringsum der Tod herrschte, in einer Art Mozartkugel lebten, so wohnen auch wir heute in einer Mozartkugel, während um uns herum alles zusammenbricht. Wenn mir zum Beispiel vor zehn Jahren jemand erzählt hätte, dass ausgerechnet die Amerikaner ein Gefangenenlager wie Guantànamo errichten würden, dann hätte ich gesagt: "Du spinnst!" Jetzt ist aber genau das passiert. Und wir leben trotzdem weiter vor uns hin. Darum geht es in dem Film: um moralische Haltungen.



plan7: Die Haltung Ihrer Filmfigur ist eindeutig - Sie spielen einen radikalen Idealisten.



Diehl: Mich hat an der Figur interessiert, dass sie gute Ideale vertritt, aber gleichzeitig unsympathisch ist. Eine idealistische Nervensäge sozusagen! Ich glaube, dass Menschen, die für ein Ideal kämpfen, immer auch gefährlich sind. Aber ich gebe ehrlich zu: Solche Leute faszinieren mich. Vor allem wohl deshalb, weil ich selbst nicht so bin. Und weil ich vielleicht insgeheim gern so wäre! (lacht)

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Datum:  22.3.2007
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Julia Sextl

Relativ häufig muss ich kurzfristig ein Taxi bestellen, um noch pünktlich zu einem Termin zu kommen. Meistens stehe ich schon auf der Straße, wenn der Wagen