Nach Meisterwerken wie "Der Eissturm" und dem Schwulendrama "Brokeback Mountain" widmet sich der Taiwanese Ang Lee auf gewohnt gekonnte Art dem legendären "Love & Peace"-Happening Woodstock.
plan7: Sie waren beim Woodstock-Konzert gerade einmal 14 Jahre alt. Welche Erinnerungen haben Sie an das Flower-Power-Happening?
Ang Lee: Ich habe mich auf das verlassen, was uns die Medien erzählten: ein Witz, als ginge es nur um einen seltsamen Lebensstil. Die ganze Tragweite erkannte ich erst, als ich mich für den Film mit dem Thema beschäftigte. Bei Woodstock ging es schon damals um Themen, die bis heute aktuell sind: Umwelt, Menschenrechte, Toleranz.
plan7: Wie wurde Woodstock in Ihrer Heimat Taiwan wahrgenommen?
Lee: In Taiwan verlief die Frontlinie des Kalten Krieges, da ging es sehr konservativ zu. Es wurden die Werte des guten alten Amerika hochgehalten und der Führer der freien Welt verteidigt - als ebendort neue Freiheiten eingefordert wurden, empfand man das als etwas irritierend. Ein paar Leute haben die Bedeutung sicher erkannt - aber zu denen hatte ich nicht gehört. Wie fast alle habe ich das nur im Fernsehen mit schwarzweißen Bildern verfolgt. Da sah man langhaarige Typen mit Gitarren und dachte: cool.
plan7: Waren Hippies in Taiwan überhaupt denkbar?
Lee: Wer sich damals lange Haare wachsen lassen wollte, wurde verhaftet und bekam gleich von der Polizei seinen neuen Schnitt. In den Streifenwagen wurden dafür sogar Scheren mitgeführt, die Patrouillenfahrzeuge waren rollende Friseurläden. (lacht)
plan7: Jene alte Hippie-Seligkeit mit ihren lässigen Visionen wirkt heute fast wie ein Antidepressivum in Zeiten der globalen Krise ¼
Lee: Damals konnte man sich tatsächlich diesen gewissen Luxus erlauben, einfach nur so aus Spaß gegen das System zu rebellieren. Heute sind uns die Grenzen sehr viel deutlicher, und wir haben eine große Verantwortung gegenüber unseren Kindern.
plan7: Wie werden heutige Jugendliche auf ihre rebellischen Vorgänger vor 40 Jahren reagieren?
Lee: Meine Kinder sind 25 und 19, ich glaube, sie würden über Hippies nur lachen. Die junge Generation ist viel nüchterner, praktischer und verfolgt klar ihre Ziele. Zeit für Träume hat sie kaum noch. Damit hatten auch unsere Statisten zu kämpfen: Es fiel ihnen wirklich schwer, einfach ganz ziellos herumzulaufen.
plan7: Wie haben Sie die Schauspieler eingestimmt aufs Hippie-Dasein?
Lee: Die Schauspieler bekamen von mir sehr viel Musik für ihre iPods sowie 30 DVDs mit Filmen aus jener Zeit. Für die Statisten gab es ein eigenes Hippie-Trainingscamp. Und wir haben darauf geachtet, dass keiner unserer Darsteller Sport treibt - das hat damals schließlich niemand gemacht.