Nachdem er "Das Dschungelbuch" im Kino gesehen hatte, beschloss der in Polen geborene und in Deutschland aufgewachsene Andreas Deja bereits im Alter von elf Jahren, Disney-Zeichner zu werden. Mithilfe seines Englischlehrers verfasste er einen Brief an das Studio und erhielt drei Wochen später ein Antwortschreiben mit allerlei Tipps. Diese befolgte Deja in den folgenden Jahren hingebungsvoll. Er war Dauergast im Duisburger Zoo, wo er Tiere zeichnete und sich mit ihrer Anatomie vertraut machte. Anfang der 80er, nach einem abgeschlossenen Grafikstudium, gelang Deja dann tatsächlich der Sprung über den großen Teich ins legendäre Mäuse-Studio. Nach unvergessenen Charakteren wie Gaston aus "Die Schöne und das Biest" oder Scar aus "Der König der Löwen" war er bei Disneys 2-D-Comeback "Küss den Frosch" für die Animation der blinden Voodoo-Meisterin Mama Odie verantwortlich.
plan7: Hatten Sie in den vergangenen Jahren Angst, dass Sie vielleicht einen Beruf erlernt haben, der vom Aussterben bedroht ist?
Andreas Deja: Ja, auf jeden Fall. Aber ich hätte dann ganz stur mit meinem Plan B begonnen. Wäre bei Disney Schluss gewesen, hätte ich einfach zu Hause weitergemacht. Keine abendfüllenden Filme, für die man ein riesiges Team braucht; ich hätte Kurzfilme gezeichnet.
plan7: Auf 3-D umzusatteln wäre für Sie aber nicht infrage gekommen?
Deja: Das hätte keinen Zweck. Ich habe mal reingeschnuppert und mir an zwei Wochenenden von einem Ausbilder das Computerprogramm erklären lassen. Ich habe dann aber schnell gemerkt, dass es mir keinen Spaß machen würde.
plan7: Bei "Küss der Frosch" waren Sie für die Animation der Mama Odie zuständig. Wie sind Sie an die Figur herangegangen?
Deja: Wenn ich zu einem Projekt stoße, gibt es bereits Storyboards. Die Autoren hatten Mama Odie also schon in einer ganz rohen Krickelform gezeichnet. Ebenfalls sehr wichtig ist die Stimme. Ich habe mir die Sprachaufnahmen von Jennifer Lewis angehört und die Augen zugemacht, um mir vorzustellen, wie die dazugehörige Figur aussehen könnte.
plan7: In der deutschen Synchronisation spricht Marianne Rosenberg Mama Odie ...
Deja: ... ja, das habe ich auch erst vor drei Wochen erfahren. Ich musste erst mal lachen, weil ich sie von früher kannte. In den 70ern war sie schließlich so etwas wie die Disco Queen Deutschlands. Ihre Lieder liefen bei uns ständig. Ein Riesenzufall also, dass man sich nach all diesen Jahren trifft und plötzlich gemeinsam an einer Figur arbeitet. Ich habe heute zum ersten Mal längere Szenen aus der deutschen Fassung gesehen, und ich muss sagen, dass sie das toll hinbekommen hat. Das ist schließlich eine Stimme, die man aufsetzen muss, die nicht real existiert. Man muss so sprechen, als hätte man keine Zähne und wäre 197 Jahre alt, das ist nicht einfach.
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