Schon für sein Regiedebüt "Amores Perros" wurde er weltweit mit Preisen überschüttet. Für seinen zweiten Film "21 Gramm" konnte er bereits Hollywood-Stars wie Sean Penn gewinnen. Nun hat der Mexikaner Alejandro Gonzàlez Iñàrritu mit "Babel" seine Trilogie über Zufall und Schicksal vollendet. Beim Filmfestival von San Sebastiàn sprach die MOPO mit dem 43-jährigen Meisterregisseur.
plan7: In "Babel" agieren Stars wie Brad Pitt und Cate Blanchett neben marokkanischen Laiendarstellern ...
Iñàrritu: Ja, es war mir wichtig, Filmstars und Laien gleichberechtigt in mein menschliches Mosaik einzugliedern. Schauspieler zu führen ist ja schon schwer genug. Aber Laien zu führen, ohne überhaupt ihre Sprache zu beherrschen, war die dümmste, unverantwortlichste und schließlich doch lohnendste Idee, die ich jemals hatte. Ich habe von den Laien viel gelernt. Und Brad und Cate waren völlig uneitel und haben mir geholfen, meine Batterien wieder aufzuladen.
plan7: Brad Pitt wirkt in Ihrem Film älter und reifer als sonst.
Iñàrritu: Wir haben ihn jeden Morgen mit Make-up gefoltert, um ihn älter zu machen. Und durch seinen privaten Stress ist er in den vergangenen Jahren sowieso gealtert. Die restlichen 30 Prozent sind seine Schauspielkunst! (lacht)
plan7: Fühlen Sie sich als Mexikaner in Hollywood wohl?
Iñàrritu: Ich fühle mich immer noch als Einwanderer - aber als privilegierter, denn ich habe Arbeit und werde korrekt behandelt. Ich musste mich dort nicht prostituieren und bekam auch kein Messer in den Rücken, sondern habe viel Respekt und Unterstützung gefunden. Aber um mich herum leben Millionen Mexikaner, die täglich mit Rassismus, mit Vorurteilen und Ausgrenzung kämpfen müssen - ein zentrales Thema meines Films.
plan7: Ein weiteres Thema ist die mangelnde Kommunikation zwischen den Menschen ...
Iñàrritu: Ja, es ist paradox: Moderne Technik wie Handys oder das Internet haben die Kontaktaufnahme extrem vereinfacht - aber andererseits verlernen wir immer mehr, einander zuzuhören! Mein Film zeigt, dass Menschen oft erst in schmerzhaften Extremsituationen wieder zueinander finden.
plan7: Wie können wir das Zuhören wieder lernen?
Iñàrritu: Zum Beispiel durch Reisen. Das fördert das Verständnis. 90 Prozent der Amerikaner haben keinen Reisepass, und Präsident Bush hatte vor seinem Amtsantritt kein einziges Mal die USA verlassen. Diese Ignoranz führt zu Problemen: Wir fürchten, was wir nicht kennen.
plan7: Glauben Sie, dass auch Filme Grenzen einreißen können?
Iñàrritu: Absolut. Nichts kann besser Sprachbarrieren überwinden als Musik und Bilder: Sie brauchen keine Übersetzung, weil sie universelle Emotionen auslösen. Insofern ist Film eine Art Esperanto.
plan7: Was planen Sie als Nächstes?
Iñàrritu: Mein nächstes Projekt lautet: nichts tun! Für mich ein wahrer Albtraum. Aber es muss sein, denn ich habe die letzten Jahre komplett durchgearbeitet, oft 18 Stunden am Tag. Mal sehen, ob ich dieses neue Projekt bewältige. Es wird auf jeden Fall meine bisher größte Herausforderung! (lacht)