Was haben ein Schuppendrachenfisch, das Porzellan eines Kreuzfahrtschiffs und ein funkelnder Orden eines Marineoffiziers gemeinsam? Sie haben eine - wie auch immer geartete - Verbindung zum Meer und damit eine Daseinsberechtigung im Internationalen Maritimen Museum in der HafenCity. Morgen wird es von Bundespräsident Horst Köhler eröffnet.
Es ist das Ergebnis eines Sammlerlebens, das auf den aufwendig restaurierten Böden des Kaispeichers B präsentiert wird. "Ich habe einen Fehler gemacht", sagte Peter Tamm zu Beginn der gestrigen Pressekonferenz. Dem Zuhörer stockt kurz der Atem. "Und angefangen zu sammeln", ergänzt er. Ach so, ein Witz zum Auflockern. Als Jugendlicher fing der ehemalige Verlagschef mit dem Modell eines Küstenmotorschiffs an. Mittlerweile sind es 1000 Großmodelle, 36000 Miniaturmodelle, Karten, Gemälde, Bücher, Filme, die nun die 16000 Quadratmeter des Speichers füllen.
Bislang waren diese Gegenstände im Institut für Schifffahrts- und Marinegeschichte untergebracht. Das Haus an der Elbchaussee wurde zu klein. Außerdem wollte Tamm seine Sammlung der Öffentlichkeit zugänglich machen. "Ich fühle mich verpflichtet, sie für zukünftige Generationen zu erhalten", so der 80-Jährige betont selbstlos. Seine Sammlung übergab er einer Stiftung. "Nur einige sehr persönliche Stücke habe ich behalten."
Der Kaispeicher B wurde von der Stadt Hamburg für 30 Millionen umgebaut. Die Stiftung darf das Gebäude die ersten 99 Jahre pachtfrei nutzen. "Wir sind ein privates Museum, werden nicht subventioniert und sind auf Spenden angewiesen", betonte Russalka Nikolov, Vorstand der "Peter Tamm sen. Stiftung", mehrfach.
Nicht nur die Finanzierung des Museums ist umstritten. Kritiker bemängeln zudem die Beliebigkeit der Ausstellungsstücke und die Vielzahl der militärischen Exponate. Diese konnte man gestern noch nicht sehen. "Die Handwerker arbeiten noch, die Böden werden noch geölt", hieß es. Die Linken-Fraktion ruft für morgen zu einer Mahnwache am Museum auf. "Eine Auseinandersetzung mit den Zielen der Kriege findet nicht statt, auch gibt es keine sozialgeschichtliche Betrachtung der Seefahrt", so die Abgeordnete Christiane Schneider. Tamm hält dagegen: "Wir werden das einzige Museum sein, das die gesamte See- und Schifffahrtsgeschichte weltweit umfasst."