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Innenansichten

Lehrer lernen, wie die Wirtschaft tickt

Die Schüler besser auf das Leben nach der Schule vorzubereiten, das ist eine Herzensangelegenheit von Tanja Walter. Die 28-Jährige unterrichtet am "Gymnasium Allee" in Altona die Fächer Englisch und Latein. Jetzt tauscht sie das Klassenzimmer gegen die riesige Stellinger Filiale von Max Bahr ein.



Walter ist Teilnehmerin des Programms "Innenansichten" der Hamburger Handeskammer. Das Projekt bietet Hamburger Lehrern in diesem Jahr zum zwölften Mal die Möglichkeit, Wirtschaft hautnah zu erleben, um den Dialog zwischen Schule und Wirtschaft nachhaltig voranzubringen und Schüler authentischer auf das Berufsleben vorzubereiten. Denn: Für Schüler sind Lehrer neben den Eltern wichtige Bezugspersonen, wenn es um die Berufswahl oder die Suche nach einem Ausbildungsplatz geht.



"Viele Jugendliche haben Angst, da sie nicht wissen, was im Berufsleben auf sie zukommt", berichtet die Altonaer Lehrerin. Nach nur einigen Tagen im Baumarkt könne sie nun bereits Entwarnung geben: "Man lernt alles häppchenweise kennen", erzählt Walter. Gleich zu Beginn des Praktikums sei sie intensiv eingearbeitet und betreut worden und habe eine Einführung in alle wichtigen Bereiche bekommen - angefangen vom richtigen Umgang mit der Farbmischmaschine bis zum fachgerechten Umgang mit Gartenpflanzen. Für solche Erfahrungen opfert die 28-Jährige sogar einen Teil ihrer Sommerferien: "Natürlich freut man sich, wenn man in den Urlaub fahren kann, aber ob das jetzt eine Woche früher oder später ist, spielt für mich keine Rolle", so Walter. Und dass ihre Lehrerin hier im Alter ihrer eigenen Schüler ist? Für die Pädagogin kein Problem.



Seit 1997 haben rund 900 Hamburger Lehrer die Möglichkeit genutzt zu erfahren, wie die Wirtschaft tickt. In diesem Jahr konnten sie zwischen 60 Praktikumsplätzen in 35 Unternehmen wählen - darunter Airbus, Dresdner Bank, Shell und Studio Hamburg. Jährlich kommen neue Firmen hinzu. Doch die Resonanz bei den Lehrkräften könnte noch größer sein, wie Dr. Paul Raab von der Handelskammer zu berichten weiß: "Wir haben jährlich einen Überschuss an Praktikumsplätzen." Dabei seien die Erfahrungsberichte der Teilnehmer durchweg positiv. Raab wünscht sich daher, dass sich die positiven Erfahrungen noch weiter herumsprächen und noch mehr Lehrkräfte das Angebot nutzten.



Doch auch die Unternehmen können von den "etwas anderen" Praktikanten profitieren. Max-Bahr-Ausbildungsbeauftragte Martina Muus ist der Erfahrungsaustausch besonders wichtig. "Mithilfe von Frau Walter können nun Auswahlverfahren und Bewerbungstests neu beleuchtet werden. Man weiß schließlich nie ganz genau, was die Schüler tatsächlich im Unterricht lernen", erzählt Muus.



Tanja Walter kann nach wenigen Tagen bereits über erste Erfolgserlebnisse berichten: "Es ist toll für mich, wenn ich bereits Kundenfragen beantworten kann", erzählt sie strahlend. Doch noch eine weitere wichtige Erkenntnis nimmt sie vom Baumarkt mit ins Klassenzimmer: "Mir ist hier klar geworden, wie wichtig es ist, anschaulich zu erklären."

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Datum:  30.7.2008
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