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In Teufels Küche

Soul Kitchen

Frikadellen mit Kartoffelsalat aus dem Plastikeimer, Nudelauflauf und Tiefkühlpizza - Haute Cuisine ist es nicht gerade, was Wirt Zinos den Gästen in seinem Lokal "Soul Kitchen" allabendlich serviert. Doch den Leuten schmeckt's, und außerdem gibt es gute Musik in der alten Industrieehalle in Hamburg-Wilhelmsburg, und so hat der Deutschgrieche alle Hände voll zu tun.



Alles könnte so schön sein, wenn nicht Zinos' Freundin Nadine sich gerade anschickte, einen Korrespondenten-Posten in Schanghai anzutreten. Das Abschiedsessen mit Nadines piekfeiner Familie findet in einem Edelrestaurant statt, dessen Koch Shayn just an jenem Abend gefeuert wird - er hatte sich geweigert, einem Gast eine heiße Gazpacho zuzubereiten. Und auch für Zinos verläuft der Abend wenig harmonisch.



Doch es kommt noch schlimmer: Beim Versuch, eine Spülmaschine in die Küche zu wuchten, erleidet Zinos einen Bandscheibenvorfall. Nichts geht mehr. So engagiert der Schmerzgeplagte den exzentrischen Shayn (Birol Ünel). Der kocht fantastisch, aber die Stammgäste bevorzugen Hausmannskost - und bleiben weg. Als auch noch eine übereifrige Finanzbeamtin die Stereoanlage beschlagnahmt, ein Mann vom Gesundheitsamt das Lokal schließen will und sein Bruder Illias (Moritz Bleibtreu) krumme Dinger dreht, obwohl er nur Freigang hat, ist Zinos der Verzweiflung nahe. Soll er seinen Laden verkaufen?



Die Idee zu "Soul Kitchen" hatte Fatih Akin schon vor sechs Jahren. Damals hing er oft bei seinem Kumpel Adam Bousdoukos (Zinos) in dessen Taverne in Ottensen rum. Als der sich von seiner Freundin getrennt hatte und unter Liebeskummer litt, "schrieb ich das auf und schwuppdiwupp hatte ich 20 Seiten Drehbuch", erzählt der Filmemacher. Doch dann kam "Gegen die Wand", und Akin heimste Trophäe auf Trophäe für sein Drama ein, drehte danach noch die Musikdoku "Crossing the Bridge" und die Tragödie "Auf der anderen Seite".



Aber Akin hatte das Gefühl, "ich bin Hamburg noch einen Film schuldig". Und so holte er zum Glück das Buch zu "Soul Kitchen" aus der Schublade hervor. Herausgekommen ist dabei ein Gute-Laune-Menü erster Güte. Die Darstellerriege ist schlicht großartig und bietet ein Wiedersehen mit "alten Bekannten" wie Adam Bousdoukos ("Kurz und schmerzlos"), Moritz Bleibtreu ("Solino") und Birol Ünel ("Gegen die Wand"), "neuen" Akin-Akteuren wie Wotan Wilke Möhring und Peter Lohmeyer bis zu den Entdeckungen Pheline Roggan, Dorka Gryllus und Anna Bederke. Dazu gibt's eine gehörige Portion Lokalkolorit, eine Prise Kritik an der Luxussanierung von Stadtteilen und jede Menge Humor.



Das kommt mit so viel Leichtigkeit daher, dass man Akin kaum glauben mag, wenn er sagt: "Es war für mich der unerwartet schwerste Film meiner Laufbahn." Die Jury des Filmfestivals von Venedig war jedenfalls begeistert und verlieh ihm ihren "Spezialpreis".

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Datum:  24.12.2009
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