Er schwieg, tagelang, während die Pannenliste im AKW Krümmel immer länger und die Wut auf Vattenfall immer größer wurde. Doch nun schickt auch Ole von Beust (CDU) deutliche Worte in Richtung des Schweden-Konzerns: "Das Vertrauen in eine sichere Versorgung ist durch den Vorfall am Kernkraftwerk Krümmel stark erschüttert worden. Gelingt es Vattenfall nicht, dieses Vertrauen wieder herzustellen, bin ich der Überzeugung, dass das Kraftwerk endgültig vom Netz gehen muss", sagte der Bürgermeister der MOPO. Damit erhöht von Beust den Druck auf Vattenfall-Chef Tuomo Hattaka.
Der Boss des Energieversorgers zeigte sich gestern reumütig: "Wir sind verantwortlich. Basta", sagte der Finne. Die Zahl der Probleme im AKW Krümmel ist kaum noch überschaubar: Laut Vattenfall sind auch "einige wenige" der 80000 Brennstäbe des Reaktors beschädigt. Nach ersten Erkenntnissen haben die Schäden nichts mit dem Trafo-Kurzschluss vom vergangenen Sonnabend zu tun und sind möglicherweise durch ein Problem bei der Wasserfilterung entstanden. Heute soll der Druckbehälter des Reaktors geöffnet werden, um die Brennelemente zu untersuchen - ein Austausch würde mindestens 350000 Euro kosten. Laut Tuomo Hattaka soll der Untersuchung der Brennstäbe eine Generalinspektion des Kraftwerks folgen. "Jetzt stehen alle Prozesse, technisch und organisatorisch, auf dem Prüfstand", sagte Hattaka und stellte den Vattenfall-Manager Stefan Dohler als Sonderermittler für den Pannen-Reaktor ab.
Zudem denkt der Konzern über Ausgleichszahlungen für Unternehmen nach, die vom Trafo-Kurzschluss in Krümmel betroffen waren. Nach MOPO-Informationen soll nach Hamburg Wasser auch mit Aurubis (ehemals Norddeutsche Affinerie) Verhandlungen aufgenommen werden.
Doch trotz der Bemühungen reißen die Protestaktionen nicht ab: Gestern seilten sich Aktivisten von "ContrAtom" vom Vattenfall-Kundenzentrum an der Spitaler Straße ab. Unterdessen sprach sich auch SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier für eine Schließung Krümmels aus.