Krankenhäuser in Deutschland haben eine neue Geldquelle für sich entdeckt: Patienten aus dem arabischen Raum. Um die vermögenden Privatpatienten führen die Kliniken geradezu einen Balztanz auf. Noch hat München dabei den größten Erfolg. Doch Hamburg zieht nach. Das UKE hat extra eine eigene Abteilung eingerichtet.
Wie in einem Krankenhaus sieht es hier nicht gerade aus. Die Wände auf der "Station Internationale Patienten" sind rot getüncht, in den Vasen stehen frische Blumen, und durch die Flure huschen uniformierte Kellner, die das mit Silberhauben abgedeckte Essen in die Zimmer bringen. Aber auch auf die speziellen Wünsche der arabischen Patienten wird Rücksicht genommen: Es gibt einen nach Mekka ausgerichteten Gebetsraum. Auf dem Fernseher im Wartezimmer läuft Al-Dschasira. Das Menü ist "halal" (rein).
In Zimmer 313b liegt Hamad Alrowaie. Der 41-Jährige aus Kuwait hat eine schwere OP hinter sich: Die UKE-Ärzte haben einen seltenen Tumor aus seinem Becken entfernt. "Zu Hause ist das Gesundheitssystem erst im Aufbau. Ich hätte nicht so eine gute Behandlung erfahren. Deshalb hat die Regierung mir den Transport nach Hamburg und die Behandlung bezahlt", erzählt Alrowaie, der als Feuerwehrmann arbeitet.
Seine Frau Hanadi Al-Bahri (42) darf mit ihm im Zimmer schlafen. Sie ist seit einem Monat da - vorher war die andere Ehefrau da, "die erste", wie Al-Bahri, die Lehrerin in einer kuwaitischen Grundschule ist, sagt. "Mit mir hat er vier Kinder, mit der anderen acht. Wir leben alle zusammen in einem großen Haus."
Früher sind die Bürger aus den reichen Golfstaaten zur Behandlung in die USA gereist. Doch seit dem 11. September 2001 hat sich das geändert. "Wir sind dort nicht mehr willkommen," sagt Al-Bahri. Das neue Ziel ist nun Europa und da vor allem Deutschland: Kamen 2004 noch knapp 50000 Patienten aus dem arabischen Raum, so sind es inzwischen schon mehr als 64000. Pro Aufenthalt zahlen die Patienten durchschnittlich 20000 Euro. Viele reisen mit ihren Großfamilien an und bringen so auch den Luxushotels und Boutiquen hohe Umsätze.
"Einmal war eine Frau nur für einen Augen-Check-up hier. Sie ging dann zwischendurch am Neuen Wall einkaufen und ließ dort 150000 Euro. In zwei Stunden!", erzählt Leonore Boscher, Leiterin des International Office am UKE. Die Uni-Klinik behandelt pro Jahr etwa 500 Patienten aus arabischen Staaten und erwirtschaftet damit rund ein Prozent des Gesamtkonzernumsatzes.
"Das Auslandsgeschäft ist für uns strategisch wichtig", sagt Mathias Goyen, Geschäftsführer der UKE Consult und Management GmbH. "Wir wollen es noch weiter ausbauen." So wird inzwischen nicht nur um Araber geworben, sondern auch um zahlungskräftige Russen. Kürzlich hat das UKE dafür in Moskau eigens ein Büro eingerichtet.
Doch die Behandlung der teils sehr vermögenden Kranken birgt auch die Gefahr einer Zwei-Klassen-Medizin. So kam es schon vor, dass Patienten viel Geld boten dafür, dass sie als Erste behandelt wurden, vom Chefarzt versteht sich. "Wir haben keine Zwei-Klassen-Medizin", sagt Leonore Boscher. "Für uns ist ein Patient nichts als ein Patient."
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