Im fernen Madrid sitzt der kleine Engel und macht sich so seine Gedanken. Unangefochten galt Rafael van der Vaart als größter HSV-Star der vergangenen Jahrzehnte. Bis heute, das weiß er nur zu gut. Also schritt der 26-Jährige zur Tat und schickte Klubboss Bernd Hoffmann eine SMS mit einer scherzhaft gemeinten, aber eindringlichen Forderung: "Gebt ihm nicht die 23!" Zumindest seine alte Rückennummer will van der Vaart für sich behalten.
Keine Sorge, Rafa - Ruud bekommt die 22. Und dennoch: Nichts ist mehr, wie es mal war. Gestern Abend, vor dem Auftritt gegen Malaga, wurde van Nistelrooy von Real Madrid verabschiedet. Heute (25.1.) gegen 13.30 Uhr fliegt Europas bester Torjäger des vergangenen Jahrzehnts mit einer Privatmaschine in Hamburg ein. Bereits am Sonnabend setzte der Niederländer seine Unterschrift unter seinen bis Sommer 2011 laufenden Vertrag - ein Autogramm, das den HSV in bislang noch unbekannte Sphären vordringen lässt.
"Ich bin sehr glücklich, dass alles geklappt hat, und freue mich sehr auf Hamburg", ließ "Van the man" wissen. "Der HSV ist ein großer Klub und hat große Ambitionen. Und die habe ich auch!" Eine Botschaft, die ankam. "Es spricht für Ruud, dass er alles Mögliche hätte machen können", schwärmt Trainer Bruno Labbadia. "Viele Vereine wollten ihn - aber er hat sich uns ausgesucht."
Heute wird van Nistelrooy zum richtigen Hamburger - die MOPO beantwortet vorab die wichtigsten Fragen.
- Wie läuft sein erster Tag?
Direkt vom Flughafen geht es ins Stadion. Dort wird van Nistelrooy auf den Vorstand treffen. Seinen neuen Trainer sieht er erst später - Labbadia kommt wegen einer Trainertagung erst am frühen Abend nach Hamburg zurück. Um 15 Uhr wird van Nistelrooy der Presse vorgestellt. Am Abend wird er dann im Hotel einchecken.
- Wann sehen die Fans ihn?
Noch laboriert der Niederländer an den Nachwehen eines Muskelfaserrisses in der Wade. "Aber er wird täglich zwei Einheiten absolvieren", so Labbadia. Zunächst vorwiegend mit Reha-Trainer Markus Günther. Für morgen ist ein Laufprogramm vorgesehen - dann können die Fans ihren Helden wohl schon bestaunen.
- Wann spielt van Nistelrooy?
"Er wird sich zwei, drei Wochen an die Mannschaft rantasten, auch mit Teileinsätzen", meint Labbadia. Läuft alles glatt, dürfte van Nistelrooy am 6. Februar in Köln erstmals im HSV-Kader stehen. In vier oder fünf Wochen, so Labbadia, "könnte er fit für 90 Minuten sein".
- Warum läuft sein Vertrag bis 2011?
Ursprünglich wollte der HSV van Nistelrooy bis zum Sommer (mit einer Option auf ein weiteres Jahr) an sich binden. "Aber wenn es mit ihm funktioniert, werden wir vielleicht nicht den kurzfristigen Erfolg haben", so Labbadia, "dann kann er uns auch nächstes Jahr helfen."
- Was wird nun aus Marcus Berg?
Der Schwede wird, wenn van Nistelrooy fit ist, mit Torun um den Platz als erster Ersatz streiten. "Wir haben nun die gleiche Konstellation wie im Sommer", erklärt Labbadia. Damals sollte Berg hinter Petric und Guerrero reifen. "Er kann in Ruhe reinwachsen", sagt sein Trainer.
- Was verdient "Van the man"?
Etwas über zwei Millionen Euro Gehalt bis zum Sommer. In der kommenden Saison wird van Nistelrooy dann neben Zé Roberto zum Topverdiener - mit einem Salär von bis zu vier Millionen Euro.
- Ist Guerrero im Sommer weg?
Der Vertrag des Peruaners endet im Sommer, die Verhandlungen über eine Verlängerung wurden von seinem Berater Rodger Linse schon vor Monaten abgebrochen. Mit van Nistelrooy kommt nun bereits der Guerrero-Nachfolger - oder? "Wir dürfen uns nicht in die Abhängigkeit von Spielern begeben", erklärt Labbadia. Durch van Nistelrooys Kommen stünde der Klub "nicht mehr so unter Zugzwang. Zur Not hätten wir nun ein Jahr länger Zeit." Dennoch sind erneute Gespräche mit Guerrero angedacht.