HSV-SKANDAL
DFB und Staatsanwaltschaft ermitteln gegen Guerrero
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Sein Verein hatte dem Peruaner tags zuvor eine Geldstrafe auferlegt, die es in dieser Höhe nie zuvor beim hanseatischen Verein gegeben habe(etwa 80.000 Euro), wie Vereinschef Bernd Hoffmann betonte. Nachdem Guerrero nach dem 0:0 im Nord-Derby gegen Hannover 96 einem pöbelnden Fan eine gefüllte Kunststoff-Trinkflasche an den Kopf geschleudert hatte, will der DFB zunächst die Stellungnahme des HSV- Stürmers abwarten, bevor er vermutlich eine Sperre verhängt.
„Auch wenn Guerrero von einem Zuschauer provoziert worden sein sollte, gilt für ihn das, was auch auf dem Platz gilt: Ein Sportler kennt keine Rache. Wer sich nicht daran hält, wird bestraft“, sagte Anton Nachreiner, der Vorsitzende des DFB-Kontrollausschusses, „Sport Bild online“. Obwohl bislang keine Anzeige des Opfers vorliegt, ist die Hamburger Staatsanwaltschaft von sich aus aktiv geworden. „Es besteht der Anfangsverdacht einer gefährlichen Körperverletzung“, sagte Staatsanwalt Bernd Mauruschat. Weil es sich um ein sogenanntes Offizialdelikt handelt, bedarf es keiner Anzeige. Es müsse nun festgestellt werden, ob die gefüllte Trinkflasche „ein gefährliches Werkzeug“ darstelle und wie eine Waffe verwendet worden sei.
Die Aufregung um seinen Verein lässt Idol Uwe Seeler derzeit schaudern. „Profis dürfen sich so etwas nicht leisten. Da muss man sich im Griff haben“, zürnte Seeler wegen der Fehlleistung Guerreros. Der einstige HSV-Torjäger sorgt sich auch wegen der sportlichen Talfahrt des Vereins. Viel schlechter als gegen zehn Spieler von Hannover 96, wie beim 0:0 am vergangenen Ostersonntag, gehe es nicht, meinte Seeler. „Da kann man nichts Positives mehr erkennen und darf das auch nicht schönreden“, bekannte der 73-Jährige. Der HSV läuft Gefahr, den sechsten Platz in der Fußball-Bundesliga zu verspielen, der in diesem Jahr zur Europa-League-Qualifikation reichen würde.
Seeler wundert sich über den Leistungsverfall des einstigen Champions-League-Anwärters. „Im Moment sieht es nicht so gut aus, dabei hat der HSV das beste Spielerpotenzial neben Bayern München und Bayer Leverkusen“, sagte der Ehrenspielführer der deutschen Nationalmannschaft am Dienstag und mahnte: „Im Mannschaftssport kann es nur passen, wenn alle an einem Strang ziehen.“
Kritik gab es vom HSV-Stadtrivalen FC St. Pauli. „Bei uns würde Guerrero nicht mehr spielen“, stellte Vereinspräsident Corny Littmann klar. „Der Fan ist das größte Gut des Vereins. Wenn das ein Spieler nicht weiß oder gar verletzt, dann muss der Verein energisch reagieren.“ Von einem Fußball-Millionär, meinte der Chef zweier Hamburger Theater, dürfe man ein entsprechendes Verhalten erwarten. Lediglich eine Geldbuße hält Littmann nicht für angemessen. „Da muss man konsequent sein und eine mögliche sportliche Schwächung der Mannschaft in Kauf nehmen. Alles andere ist kurzsichtig.“
Littmann sieht ein großes Problem im deutschen wie europäischen Fußball, wenn er das Zusammenspiel zwischen Fans und Mannschaft betrachtet: „Immer weniger Spieler können Identität schaffen mit dem Verein. Da werden Vereinswechsel zu abenteuerlichen Summen vollzogen. Das böse Wort vom Söldnertum erhält neue Nahrung. Der Fan kann nicht mehr die Verbundenheit des Profis zum Verein und seinen Anhängern erkennen, sondern nur die Verbundenheit des Profis zu seinem gut dotierten Vertrag.“ Mit seinen exorbitanten Gehaltsforderungen für eine mögliche Vertragsverlängerung habe Guerrero die Unzufriedenheit unter den Anhängern angestachelt. Im Gegensatz zu anderen Vereinen, betont Littmann, gebe es beim FC St. Pauli keine „bestverdienenden Stars“.
Paolo Guerrero beim HSV-Training am Dienstag
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Paolo Guerrero beim HSV-Training am Dienstag
Guerrero auf dem Weg zum Trainingsplatz.
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Guerrero mit Trainer Bruno Labbadia.
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Guerrero und viele Spielgeräte.
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Guerrero und viele Spielgeräte.
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Fans haben ein Plakat aufgehängt.
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Guerrero, Frank Rost und der Coach.
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Kopfballübung mit Dennis Aogo
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Da schmerzt der Kopf ein wenig.
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Guerrero hinter einem Bauzaun.
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Anspielung: Ein Fan hält vor Paolo Guerrero eine Wasserflasche hoch.
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Paolo Guerreros Flaschenwurf
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Paolo Guerreros Flaschenwurf
Er blickt im Vorbeigehen in Richtung HSV-Block.
Er wendet sich endgültig um und beginnt zu diskutieren.
Schließlich holt er weit aus...
und trifft den Fan mit der Flasche genau an den Kopf.
Mitspieler und andere Umstehende halten ihn schließlich zurück.
Paolo Guerrero auf dem Weg Richtung Kabine.
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Skandale: Fußball-Stars gegen Fans
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Skandale: Fußball-Stars gegen Fans
DIDIER DROGBA: Am 12. November 2008 wird der Nationalspieler der Elfenbeinküste beim Pokal-Aus des FC Chelsea gegen den FC Burnley nach seinem Führungstor von Gäste-Fans mit Gegenständen beworfen. Er schleudert eine Münze in die Zuschauermenge zurück und zeigt den Mittelfinger. Vom englischen Verband wird er für drei Spiele gesperrt.
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RADOSLAV KOVAC: Am 19. Juli 2008 wird der tschechische Nationalspieler Radoslav Kovac für ein „Foul am Zuschauer“ verwarnt. Beim Derby seines Vereins Spartak Moskau gegen den russischen Lokalrivalen Lokomotive (2:2) läuft ein Fan über das Spielfeld. Abwehrspieler Kovac spurtet dem Störenfried kurzerhand hinterher und bringt ihn mit einem gezielten Tritt zu Fall. Schiedsrichter Igor Sacharow zeigt dem verdutzten 28-Jährigen wegen unsportlichen Verhaltens die Gelbe Karte.
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JENS LEHMANN: Nach dem Platzverweis beim 1:1 im Bundesliga-Spiel in Mainz am 13. Dezember 2009 nimmt der Torhüter des VfB Stuttgart auf dem Weg aus dem Stadion einem Fan die Brille weg und gibt sie erst nach mehrmaliger Aufforderung und langem Zögern zurück. Bei der Staatsanwaltschaft Mainz wird Anzeige gegen Jens Lehmann erstattet.
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DAVID BECKHAM: Bei der Rückkehr zu den Los Angeles Galaxy nach seinem Italien-Intermezzo beim AC Mailand wird der englische Nationalspieler am 19. Juli 2009 bei seinem ersten Heimauftritt von den eigenen Fans beleidigt und ausgepfiffen. Beinahe kommt es zu einem handgreiflichen Eklat, als ein Anhänger über die Abgrenzung auf das Spielfeld springt. Zuvor hatte Beckham in der Halbzeitpause vor der Fankurve signalisiert, dass der Mann doch näher kommen solle. Sicherheitskräfte verhindern eine Konfrontation.
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THIMOTHEE ATOUBA: Am 6. Dezember 2006 rastete HSV-Profi Thimothee Atouba beim Champions-League Spiel gegen ZSKA Moskau aus. Nachdem er ausgepfiffen wurde, sich "Scheiß-Nigger" und "Geh zurück in den Busch" anhören musste, zeigt er den Fans den Stinkefinger. Er wurde intern für zwei Spiele gesperrt, musste 50000 Euro Strafe zahlen.
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STEFAN EFFENBERG: Bei der WM in den USA 1994 wird der deutsche Nationalspieler Stefan Effenberg nach dem gewonnenen Gruppenspiel gegen Südkorea von Bundestrainer Berti Vogts aus dem Team ausgeschlossen. Grund: "Effe" hatte pfeifenden deutschen Fans bei der Partie in Dallas den "Stinkefinger" gezeigt. Die Liste der Profis, die seitdem ihren Mittelfinger in Richtung Zuschauertribüne zeigten, ist lang.
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PAOLO GUERRERO: Für den jüngsten Skandal im Profi-Fußball sorgte HSV-Stürmer Paolo Guerrero mit seinem Flaschenwurf gegen einen pöbelnden Fan.
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ERIC CANTONA: Der französische Nationalstürmer versetzt am 25. Januar 1995 beim Auswärtsspiel seines Clubs Manchester United bei Crystal Palace nach seinem Platzverweis auf dem Weg in die Kabine einem Fan einen Kung-Fu-Tritt gegen die Brust und greift ihn mit Fäusten an. Für die Attacke muss er sich auch vor Gericht verantworten. Ein Berufungsgericht wandelt die zunächst verhängte Gefängnisstrafe von zwei Wochen in 120 Stunden Sozialarbeit um. Doch der englische Verband FA sperrt Cantona für acht Monate. Bei seiner umjubelten Rückkehr im Oktober trifft er gegen den FC Liverpool (2:2) per Elfmeter.
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HSV: Stimmen zum Flaschenwurf-Skandal
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HSV: Stimmen zum Flaschenwurf-Skandal
Bruno Labbadia: "Es war wohl so, dass die Beschimpfungen sehr, sehr groß waren. Trotzdem darf das nicht passieren."
Bernd Hoffmann: "Wir haben lange beraten, wie mit dieser Geschichte umzugehen ist und dazu verschiedene Seiten gehört. Paolos Verhalten war absolut unakzeptabel. So etwas darf nicht passieren. Paolo wird von uns mit einer hohen Geldstrafe belegt. Er ist zum ersten Mal in einer solchen Art und Weise auffällig geworden. Er hat uns glaubhaft versichert, wie leid es ihm tut."
David Jarolim: "Paolo hat Mist gebaut, in der Emotion und aus der Wut über die Beschimpfungen einen großen Fehler gemacht. Dafür wird er vom Verein bestraft. Aber wir werden ihn jetzt nicht fallen lassen. Es gibt keinen Riss zwischen der Mannschaft und den Zuschauern. Wir müssen jetzt zusammenhalten, um unsere Ziele zu erreichen."
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Paolo Guerrero: "Ich hatte einen Blackout. Ich bin beschimpft worden und habe überreagiert. Es tut mir unheimlich leid. Ich hoffe, dass ich die Gelegenheit bekomme, mich bei dem betroffenen Zuschauer zu entschuldigen. Beim HSV habe ich es bereits getan. Natürlich werde ich jede Strafe des Vereins akzeptieren. Ich habe einen großen Fehler gemacht."
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Supporters-Vorstand Ralf Bednarik: "Spieler müssen mit Kritik umgehen. Aber Paolo Guerrero hat sich für sein Verhalten entschuldigt und sich einsichtig gezeigt. Jetzt liegt es an uns allen, die Dinge aufzuarbeiten, in den Dialog zu gehen und gemeinsam in die Zukunft zu blicken."
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Frank Rost: "Klar hat Paolo da einen Fehler gemacht, aber er macht das ja nicht grundlos. Es ist ja schon was vorgefallen, und da muss sich auch der Fan hinterfragen. Da hat er Pech gehabt. Er hat ihn gut getroffen. Die New York Yankees würden ihn wahrscheinlich gerne verpflichten."
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