Bernd Hoffmann hatte kräftig die Hosenträger gespannt. Der Kühne-Vertrag, der dem HSV bis zu 15 Millionen Euro für Transfers beschert, sei „ein Sechser im Lotto mit Zusatzzahl – für jeden Verein“, ließ der Klubboss die Mitglieder wissen. Erst am Morgen der Versammlung habe er eine weitere Glückwunsch-SMS von einem Bundesliga-Offiziellen bekommen.
Aus München wird sie nicht gekommen sein. Denn einen Tag nachdem der HSV diskutierte und stritt, bezog Karl-Heinz Rummenigge Stellung. „Dieses Modell ist ja keine Neuigkeit mehr“, höhnte der Bayern-Boss. „Sich dafür feiern lassen? Da hätte man vielleicht mal nach Portugal gehen sollen.
Dann hätte man auch gewusst, dass so etwas dort schon vor zehn Jahren gemacht wurde.“ Jeder Verein müsse so etwas für sich selbst entscheiden, aber: „Wir beim FC Bayern haben immer eine Philosophie gehabt, das ist totale Unabhängigkeit. Dementsprechend werden wir uns diesem Modell auf keinen Fall nähern!“
Der HSV hat sich nicht nur genähert. Er hat abgeschlossen. Und es gab Lack für die Bosse. Die Raus-Rufe gegen Aufsichtsratschef Horst Becker mit anschließender Schelte von Klubboss Bernd Hoffmann in Richtung der Mitgliedschaft („Das machen wir nicht mit, jetzt ist echt Feierabend!“) bildeten den unrühmlichen Höhepunkt eines eher missglückten Abends.
Nichts anderes hatte Hoffmann bei seiner Präsentation des Kühne-Deals erwartet. „Mit Verlaub“, erklärte der 47-Jährige, „die Redner, die hier aufgetreten sind, haben sich auch in der Vergangenheit nicht gerade dadurch ausgezeichnet, meine Entscheidungen für gut zu befinden.“
Da hatte er recht. Die Ex-Präsidenten Dr. Peter Krohn und Jürgen Hunke führten eine Schar von Kritikern an, die sich bei jeder sich bietenden Gelegenheit melden.
Allerdings: Die Bosse waren selbst schuld, dass die Stimmung ausartete. Denn es trat dann doch noch ein Detail zutage, das Zündstoff programmierte. Kontrolleur Ronny Wulff offenbarte, die Unterlagen zur Abstimmung des Kühne-Vertrages erst einen Abend vor der Abstimmung erhalten zu haben – laut Beschluss aber ist eine Frist von einer Woche vorgesehen.
Wulff enthielt sich mangels Zeit der Einarbeitung. „In dringenden Fällen ist eine Verkürzung der Frist möglich“, erläuterte Becker, der die Rufe gegen sich schluckte: „Natürlich berührt mich das. Aber als Chef des Aufsichtsrates muss man sich kritische Fragen gefallen lassen.“ Ohnehin hielt Becker vieles für „inszeniert“.
Die Details des Vertrages gerieten im Verlaufe des Abends mehr und mehr zur Nebensache. Die Angst vor einer Fremdbestimmung, von Kühne zuvor ausgeschlossen, machte die Runde. Und der Wunsch der Mitglieder, künftig eher en détail informiert zu werden. Dass solch ein Deal dann aufgrund selbstzerfleischender Diskussionen wohl zum Scheitern verurteilt wäre, machte der Abend deutlich.
Der Sechser im Lotto mit Zusatzzahl – Alexander Otto relativierte. „Für mich ist das keinesfalls ein Sechser im Lotto“, so der Aufsichtsrats-Vize. „Aber ich habe mich für das Modell entschieden, weil die Chancen gegenüber den Risiken überwiegen.“ Ein sachliches Fazit eines emotionalen Abends, aus dem die HSV-Bosse eine Erkenntnis mit nach Hause nahmen: Es gärt gewaltig in ihrem HSV. Das ist leider nichts Neues.
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