Der HSV ist mit Paolo Guerrero zum Viertelfinal-Rückspiel in der Fußball-Europa-League nach Lüttich geflogen. Am Donnerstag (21.05 Uhr Liveticker auf mopo.de) muss der Bundesliga-Dino beweisen, dass der Traum vom Finale im eigenen Stadion am 12. Mai Realität werden kann.
Als die Mannschaft am Mittwochvormittag den Flieger bestieg, war Guerrero dabei, als wäre nichts geschehen. „Ich konzentriere mich nur auf das Spiel“, meinte der Peruaner, der nach der in Bundesliga-Stadien einmaligen Attacke auf einen Zuschauer zwar mit einer empfindlichen Geldstrafe, nicht aber mit einer vereinsinternen Sperre belegt worden war.
Eine Suspendierung kann zwar der ermittelnde Deutsche Fußball-Bund (DFB) verhängen, aber eben nur für die Liga. In der Europa League dagegen darf der HSV schalten und walten wie er mag. „Ich habe nie daran gezweifelt, Paolo in den Kader zu nehmen“, erklärte Trainer Bruno Labbadia. „Wir haben gezeigt, dass wir nicht jeden gleich ausstoßen, der einen Fehler gemacht hat.“ Auch Guerreros Teamkollegen stehen dem Missetäter zur Seite. „Wir unterstützen Paolo“, sagte Mannschaftskapitän David Jarolim und erhielt Schützenhilfe von Jerome Boateng: „Er ist einer von uns. Ich verstehe die Forderungen nicht, ihn zu sperren.“
Ob Guerrero im 29 200 Plätze bietenden Maurice-Dufrasne-Stadion aufläuft, hängt vom Schmerzempfinden seiner Stürmerkollegen ab. Sowohl Ruud van Nistelrooy (Verhärtung im Oberschenkel) als auch Mladen Petric (Adduktorenprobleme) klagten über Wehwehchen. Zudem sind Zé Roberto (Rückenbeschwerden) und Joris Mathijsen (Leistenprobleme) nicht im Vollbesitz ihrer Kräfte. Guerrero selbst hatte vor dem Abflug nach Lüttich wegen der Aufregung um seine Person kaum Gelegenheit, über seine Flugangst zu grübeln. „Ein bisschen Angst“ habe er jedoch schon verspürt, gab er zu.
Die Affäre um den Südamerikaner überlagert das Grundproblem des HSV - die seit Monaten anhaltende sportliche Talfahrt. Insbesondere nach den peinlichen Bundesliga-Auftritten in Mönchengladbach (0:1) und gegen Hannover 96 (0:0) braucht der in der Kritik stehende Labbadia den Einzug ins Europa-League-Halbfinale. Der 2:1-Vorsprung aus dem Hinspiel ist jedoch alles andere als komfortabel. „Ein Weiterkommen ist extrem wichtig“, beschwor Clubchef Bernd Hoffmann sein Team. Platzt nach dem gescheiterten Anlauf auf Meistertitel und Champions-League-Plätze auch die Endspiel-Vision, wird vermutlich mit eisernem Besen an der Hamburger Sylvesterallee gekehrt.
„Europa League ist anders als Bundesliga“, meinte Jarolim und wischte damit alle kritischen Fragen zu den jüngsten Auftritten vom Tisch. „Das wird ein Riesenspiel in einer höllischen Atmosphäre. Hoffentlich können wir ihnen eine kalte Dusche verpassen.“ Zuletzt hatte der HSV bei den Gastspielen auf europäischer Bühne seine liebe Mühe und Not. Beim PSV Eindhoven schrammten die Hanseaten mit 2:3 am Aus vorbei, beim RSC Anderlecht mussten sie den Ball gar viermal (3:4) aus dem Netz holen. „Wir sind auswärts immer in der Lage, ein bis zwei Tore zu erzielen“, versicherte Labbadia zuversichtlich. (dpa)