Vorher werden sie wieder allerbester Dinge sein. Das ist immer so, wenn die Anhänger des HSV am Maschsee vorbei in Richtung AWD Arena ziehen. Die Fan-Freundschaft zu Hannover 96 macht es möglich, geradezu kuschelig geht es vor dem Anpfiff zu. Nach den 90 Minuten ist es dann in schöner Regelmäßigkeit um die gute Laune der Hamburger geschehen. Und heute?
Der Kampf am Maschsee - er ist seit mehr als zwei Jahrzehnten aus HSV-Sicht vor allem ein Krampf. Ein einziger Sieg gelang in den vergangenen 21 Jahren. Collin Benjamin schoss am 11. August 2007 das 1:0-Siegtor. Ansonsten setzte es in sieben Duellen seit Hannovers Wiederaufstieg zwei Remis und vier Pleiten, die bitterste im Vorjahr (0:3). Ausgerechnet hier, am Ort des jährlichen Frusts, will der HSV heute seinen Platz in der Spitzengruppe der Bundesliga zementieren.
Joris Mathijsen sucht nach Erklärungen für den Ergebnis-Matsch am Maschsee. "Für Hannover sind die Derbys gegen Bremen und uns wahrscheinlich die Spiele des Jahres", so der niederländische Abwehrchef. "Aber es ist mir egal, was die machen oder denken. Wir fahren hin, um Gas zu geben und zu gewinnen!"
Das wird nicht leicht, denn 96 fand nach schwachem Saisonstart zuletzt zu genau der ekligen Form zurück, die dem HSV das Leben seit Jahren so schwer macht. Die "Roten" haben zwei 1:0-Siege gegen Stuttgart und in Köln im Gepäck, standen jeweils kompakt und agierten gefährlich über die Flügel. Ein Rezept, das regelmäßig auch gegen den HSV greift.
Neues Spiel, neues Glück lautet die Hamburger Parole nach drei sieglosen Pflichtspielen in Folge. Ein Erfolg heute wäre doppelt wichtig, würde er dem HSV doch wieder etwas Luft zu den Teams ab Platz vier der Tabelle bescheren. Der Rahmen wird in jedem Fall stimmen: 96 und der HSV rufen zum Fahnentag auf, alle Beschränkungen über Größe und Ausmaß der Flaggen sind heute hinfällig. Die Fan-Freundschaft macht es möglich. Mal sehen, wem die Lust am Schwenken zuerst vergeht.