Stell dir vor, es ist Derby - und kaum jemand geht hin. Am Sonntag (14 Uhr, HSH-Nordbank-Arena) treffen die zweiten Mannschaften vom HSV und St. Pauli in der Regionalliga aufeinander. Ein Kassenknüller? Von wegen: St. Paulis Profis spielen nahezu zeitgleich am Millerntor gegen Cottbus, viele HSV-Fans sind beim Anstoß in der Arena längst auf dem Weg zum abendlichen Auswärtsspiel auf Schalke.
Während das bislang letzte "kleine Derby" im Mai 2002 (2:0 für den HSV) über 8000 Zuschauer sahen, pilgern diesmal wohl nur einige hundert Unentwegte zum Spiel des Zehnten gegen den Zwölften - auch wenn HSV-Dauerkarteninhaber freien Eintritt genießen. Aus Sicherheitsgründen bestand die Polizei auf die fanunfreundliche Ansetzung am Sonntagnachmittag.
"Heute Abend wäre ein toller Termin gewesen", bedauert HSV-Jugend-Geschäftsstellenleiterin Iris Haack, die nun "überhaupt nicht kalkulieren kann, wie viele Zuschauer kommen werden". Fest steht nur, dass vorsorglich ein Maximalaufgebot von 145 Ordnern präsent sein wird.
"Fünf- bis sechstausend Zuschauer würden kommen, wenn das Spiel unserer Profis gegen Cottbus nicht wäre", kalkuliert St. Paulis Obmann Hermann Klauck, der beim letzten Heimspiel des braun-weißen Nachwuchses gegen Magdeburg erleben musste, dass mehr Gästefans am Millerntor waren als St. Paulianer - die waren zeitgleich zu Tausenden beim Zweitliga-Auswärtsspiel in Oberhausen. Kein neues Phänomen: Am zwölften Spieltag überschneiden sich St. Paulis Amateure und Profis bereits zum siebten Mal. "Das kann nicht der Sinn von Nachwuchsförderung sein", kritisiert Klauck.
Und die Attraktivität der viel gescholtenen Regionalliga steigert es auch nicht.