Den vorerst letzten Akt der öffentlichen Schuldzuweisungen hatte sich Horst Becker beim Frühstück zu Gemüte geführt. Eine verfehlte Personalpolitik hielt Klubboss Bernd Hoffmann Ex-Sportchef Dietmar Beiersdorfer abermals vor, für Becker der Moment, sanft, aber bestimmt dazwischenzuhauen. "Jetzt muss Schluss sein", ließ der Vorsitzende des Aufsichtsrates wissen. "Ab sofort wird nicht mehr nachgekartet."
Eine klare Aufforderung, die auch Hoffmann galt. Nachdem sich der Klubboss und sein Ex-Sportchef nicht mehr viel zu sagen hatten, nahmen sie nach Beiersdorfers Abgang wieder Fahrt auf - via Medien. Den letzten Aspekt der öffentlichen Scharmützel lieferte Hoffmann - von Beiersdorfer harsch kritisiert - in der "Welt am Sonntag". "Unsere Transfers sind in jeder Transferperiode sehr spät erfolgt", warf er Beiersdorfer vor. "Das kann ein oder zwei Mal Zufall sein. Aber nicht immer." Zudem seien in den drei Vorjahren elf Spieler für 70 Millionen Euro verpflichtet worden - lediglich Mathijsen, Guerrero, Petric und Jansen seien "zu stabilen Faktoren" geworden." Zugleich hat er mangelnde Effizienz in der Nachwuchsarbeit ausgemacht. "Man muss intern doch hinterfragen, ob der Aufwand von 25 Millionen Euro in den vergangenen fünf Jahren richtig investiert wurde, wenn von uns ausgebildete Spieler in der vergangenen Saison ganze elf Minuten Einsatzzeit hatten."
Becker nahm es zur Kenntnis. "Natürlich musste einiges richtiggestellt werden", so der Chef der Kontrolleure. "Nun ist aber auch alles gesagt. Es reicht."
Der Blick habe nach vorn zu gehen, "wichtige Aufgaben stehen an". Neue Spieler müssen kommen, danach erst der neue Sportchef. Dessen Anforderungsprofil solle, laut Becker, "in den nächsten acht bis zehn Tagen erstellt werden". Zwei Grundvoraussetzungen nennt er bereits: "Er muss Bundesligaerfahrung haben und den europäischen Markt kennen."