Die kleinen Augenringe am Abend, Mimi Kraus konnte sie leicht erklären. „Um vier Uhr morgens bin ich in Eislingen losgefahren, habe dann noch einen Zwischenstopp in Lemgo gemacht, um ein paar Kleinigkeiten zu erledigen. Nach zehn Stunden war ich hier.“ Endlich. Kraus ist angekommen in seiner Traumstadt, bei seinem Traumverein, dem HSV.
Nach kurzem Check-in im NH-Hotel ging's zur Einkleidung. Kraus erhält die Nummer zwei beim HSV. „Seitdem ich Profi bin, hatte ich die immer. Sie ist zu meiner Lieblingszahl geworden.“ Um 17 Uhr folgte seine erste Trainingseinheit in der Volksbank Arena.
Pascal Hens und Jogi Bitter nahmen ihn an die Hand. „Sie haben mir die internen Fußballregeln erklärt.“ Die brauchte der 26-Jährige aber zunächst nicht. Athletik-Trainer Christos Papadopoulos scheuchte Kraus & Co. über eine Stunde durch die Halle. „Das gehört dazu, aber natürlich macht das kein Spieler gern“, so der Ex-Lemgoer, der heute einen Vierjahresvertrag unterschreibt.
Trainingsrückstand war dem muskulösen Spielmacher nicht anzumerken. Niemand warf den Medizinball weiter als Kraus, der schon im Trainingsspiel klare Anweisungen an Krzysztof Lijewski und Domagoj Duvnjak erteilte.
„Ich bin kein Typ, der sich versteckt“, sagt er. „Ich gehe offen auf Leute zu.“ Martin Schwalb gefällt beim Training nicht nur das.„Seine Dynamik hat uns noch in unserem Spiel gefehlt“, schwärmt der HSV-Coach. „Dieser eine schnelle Schritt, der bringt uns zehn Zentimeter.“ Und damit vielleicht auch die erste Meisterschaft.
Erst einmal standen aber andere Dinge im Vordergrund. Am späten Abend meisterte Kraus den Medizincheck. „Jetzt ist für mich am wichtigsten, ganz schnell eine Wohnung zu finden“, sagt er. „Am liebsten in Eppendorf, Rotherbaum oder der HafenCity.“ Vorher aber durfte er ein bisschen Schlaf nachholen.